Aktuelles

59 Prozent wollen Ulrichskirchenportal in Magdeburg - An einer nicht repräsentativen Umfrage der Magdeburger Volksstimme nahmen bis zum 13.11.2017 insgesamt 7130 Leser teil. Die Mehrheit wünscht sich ein neues Ulrichskirchenportal in Magdeburg. Wir veröffentlichen an dieser Stelle alle aktuellen Entwicklungen zur Ulrichskirche und zum Portalwiederaufbau. Der Vorstand des Kuratoriums Ulrichskirche e.V.

 
27.02.16

8. Verbundtreffen des VZK (Verbund Zerstörte Kirchen) in Leipzig

Das bereits 8. Verbundtreffen des VZK (Verbund Zerstörte Kirchen) findet diesmal in Leipzig statt. Neben der üblichen Tagesordnung wurden zwei Besichtigungen organisiert: Der Neubau der Paulinerkirche und der Neubau der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis gegenüber dem Neuen Rathaus. Weitere Informationen über den Verbund finden Sie hier:

http://kirchensprengung.de/cms/kirchensprengung_verbund.html

Folgend einige Eindrücke vom Treffen:


Das Arbeitstreffen


Die Besichtigung der Paulinerkirche


Die Besichtigung der katholischen Propsteikirche

 
17.02.16

Leserbrief aus der Magdeburger Volksstimme mit Statement zur Ulrichskirche

 
09.02.16

Neue Sitzverteilung im Magdeburger Stadtrat

Durch das Ausscheiden zweier Stadträte der LINKEN aus der Fraktion und die Bildung einer Fraktion der Gartenpartei ergibt sich folgende neue Sitzverteilung im Magdeburger Stadtrat (Quelle: Magdeburger Volksstimme):

 
01.02.16

Kuratorium Ulrichskirche erwirbt wertvolle Ausgabe der Magdeburger Centurien

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

 
01.01.16

Frohes neues Jahr!

Wir wünschen allen Mitgliedern des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. und allen Freunden der Ulrichskirche ein frohes und gesundes neues Jahr 2016!

 
20.12.15

Weihnachtsbotschaft vom Vorsitzenden

 
28.11.15

Vorstandssitzung zu aktuellen Themen und Fragestellungen

Regelmäßiges Treffen des Vorstands des Kuratoriums Ulrichskirche e.V.

 
12.11.15

Leserbrief in der Magdeburger Volksstimme

Leserbrief zur Unvereinbarkeit des geplanten Standorts des Denkmals für das Magdeburger Recht auf den Fundamenten der Ulrichskirche:

 
31.10.15

15:17 Uhr: Andacht am Ulrichskirchenmodell auf dem Ulrichplatz in MD

Liebe Mitglieder und Freunde des Kuratoriums Ulrichskirche,

am kommenden Samstag, dem 31. Oktober 2015, begehen wir den Reformationstag und den 8. Geburtstag unseres Kuratoriums. Die Reformation und die Eine Welt, unter diesem Thema feiern wir diesen Tag mit einer Andacht am Modell der Ulrichskirche, unter der Leitung von Dr. Matthias Sens. Beginn ist 15:17 Uhr. Wir laden Sie herzlich dazu ein. Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme.

  

Dr. Matthias Sens, Probst i.R., Andacht am 31.10.2015:

Einführung zum Jahresthema „Die Reformation und die Eine Welt“

„Die Reformation und die Eine Welt“ – Das Thema des letzten Jahres der Lutherdekade vor dem Jubiläumsjahr selbst hat viele Facetten. Was 1517 in einem Winkel des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation begann, hat binnen weniger Jahrzehnte Auswirkungen in ganz Europa gehabt. Das war nicht immer nur erfreulich; denn bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges waren die  Auseinandersetzungen um die Reformation ein prägender Faktor der europäischen Politik. Magdeburg hat das am eigenen Leibe erfahren. Die Zerstörung der Stadt 1631 war ein Ereignis von europäischem Rang.

Genau so stark wie die politische hatte sich die kirchliche Landschaft verändert. Es gab nun neben der großen römisch-katholischen Welt-Kirche eine Familie reformatorischer Kirchen, lutherisch, reformiert, anglikanisch und bald noch eine ganze Reihe weiterer Konfessionen. Auch diese Kirchen breiteten sich durch die Missionsbewegung vom 18. Jahrhundert an über die ganze Welt aus. So gibt es heute in ca. 100 Ländern lutherische Kirchen mit zusammen etwa 80 Millionen Mitgliedern. Unsere Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat eine Partnerschaft mit der Lutherischen Kirche in Tansania, die anders als bei uns eine wachsende Kirche ist. Selbst die Evangelische Brüder-Unität, die aus der kleinen Herrnhuter Brüdergemeine entstanden ist, hat heute in Deutschland einige Tausend, weltweit aber über 1 Million Gemeindeglieder, davon viele in Tansania und in Südafrika. 

Überall wird die Bibel in einheimischen Sprachen gelesen. Auch das ist eine Bewegung, die von der Reformation ausgegangen ist. Heute gibt es Bibeln oder Bibelteile in über tausend Sprachen. Das ist ein Zeichen der enormen kulturellen Vielfalt, von der heute die weltweite Gemeinschaft der Kirchen geprägt ist. Das ist eine große Bereicherung, aber auch eine große Aufgabe für die Kommunikation und das gegenseitige Verstehen. 

In der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen, z.B. im Weltrat der Kirchen in Genf, stehen natürlich auch die Probleme der Einen Welt ständig auf der Tagesordnung, die Fragen von Krieg und Frieden, von Armut und Reichtum, von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit bis hin zum Klimawandel. Sich gegenseitig zu helfen und sich gemeinsam zu engagieren gehört zu den großen Aufgaben der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen.

Die Reformation und später der Streit zwischen den Konfessionen hat immer wieder auch Flüchtlingsbewegungen in Gang gesetzt. Als der Große Kurfürst 1685 die Hugenotten ins Land gerufen hat, weil sie in ihrer Heimat nicht bleiben konnten, hat es auch in Magdeburg bei vielen Alteingesessenen erst mal lange Gesichter gegeben. Bis man gemerkt hat, welchen großen Beitrag diese Neuankömmlinge für die Entwicklung der Stadt und des Landes geleistet haben.
Wir sehen, das Thema „Die Reformation und die Eine Welt“ hat nicht nur viele Facetten, sondern kann auch sehr aktuell sein.

Ansprache über Gal 5,1+6:
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen. Denn in Christus gilt nichts anderes als der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

Ich fange mal nicht mit Luther an, sondern mit Philipp Melanchthon, seinem Kollegen und Freund. Der sagt in den Loci communes, der ersten systematischen Zusammenfassung des evangelischen Glaubens: „Also, mit einem Wort: Christentum - das ist Freiheit“.  „Das Neue Testament ist nichts anderes als die Bekanntmachung dieser Freiheit.“

Was hat es mit dieser Freiheit auf sich? Sie kommt aus dem tiefen Vertrauen darauf, dass unser Leben von Gott getragen und gehalten ist. Wir sind von Gott geliebte und gewollte Menschen. Wir müssen uns die Liebe nicht erst verdienen, und wir müssen unsere Daseinsberechtigung nicht mit großen Leistungen nachweisen. Wir sind frei vom Zwang, uns immer wieder selbst rechtfertigen zu müssen. Wir können unsere Kräfte frei entfalten. Das verdanken wir Jesus.
Es ist  zuerst eine Freiheit von innen heraus. Es ist eine Freiheit des Herzens und des Geistes. Sie macht uns unabhängig und souverän. Sie hängt nicht an den äußeren Freiräumen, die wir haben. Sie schafft sich aber immer wieder Freiräume. Sie wird deshalb auch immer wieder zu freiheitlichem Denken und Handeln mitten in der Gesellschaft führen.

Es war kein Zufall, dass die Kirchen in der DDR Räume waren, von denen aus sich auch gesellschaftliche Freiheit wieder entfalten und nach außen hin wirken konnte. Die Freiheit des Glaubens war in den Gemeinden wach geblieben. Deshalb konnten auch für andere Menschen Räume der Freiheit angeboten werden. 
Heute erleben wir andere Zwänge, unter denen wir stehen. Der Leistungsdruck raubt vielen die Freiheit. Viele verspüren eine Notwendigkeit, sich anzupassen und sich zu fügen. Aber auch die eigenen Wünsche und Erwartungen sind hoch. Wir wollen immer mehr und setzen uns damit selbst und gegenseitig unter Druck.
Oder – ganz aktuell – die Sorge hält uns gefangen, dass wir in unserer Gesellschaft den großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, nicht gewachsen sind, dass wir es nicht schaffen, den Problemen, vor die uns die Eine Welt stellt, angemessen zu begegnen. Da ist es wichtig, dass wir uns immer wieder bewusst machen, wie viel innere Freiheit uns der Glaube schenken kann. Es mag schwierig sein, aber wir bleiben von Hoffnung und Vertrauen getragen. Wir nehmen die Probleme ernst, aber wir lassen uns nicht von allen möglichen Ängsten und Sorgen bestimmen.

 Alles soll geschehen „im Glauben, der durch die Liebe tätig ist.“ Nichts anderes gilt, sagt der Apostel Paulus.
Das ist nun ein ganz besonderes Stück Freiheit: Der Glaube macht uns frei für die Liebe zum Nächsten. So frei sind wir, dass wir mit anderen unser Leben teilen können, dass wir in Liebe und Achtung mit ihnen zusammen leben, dass wir ihre Sorgen und Nöte zu unseren eigenen machen können.
Freiheit gibt es nur gemeinsam. Da gilt der einfache Grundsatz: Nur wenn auch der andere seine reelle Chance zum Leben hat, werde auch ich frei sein, meine Chancen zu nutzen. Je mehr Menschen nach diesem Grundsatz leben, desto größer wird die Freiheit.

Ja, wir sind so frei, dass wir auch die Menschen, die oft so anders sind als wir, ohne Vorurteile in den Blick nehmen können, und wir mit ihnen zusammen leben können.  Dann kann der friedliche und gerechte Aus-gleich in der Einen Welt zum gemeinsamen Weg in die Freiheit werden.

 
27.10.15

Schöne Fassaden in Magdeburg durch Gestaltungssatzung? Stadtrat entscheidet sich dagegen

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

 

Kommentar: Wer hätte 1989 gedacht, dass die Spielwiese für Architekten und Städteplaner, die die Katastrophe der Stadtzerstörung durch Zweiten Weltkrieg und sozialistischen Teilwiederaufbau herbeiführte, heutzutage zu einem Stadtbild der Beliebigkeit und Austauschbarkeit geführt hat, welches Außenstehende - also Nichtmagdeburger - häufig mit Adjektiven wie "zerrissen" oder "hässlich" bezeichnen?
Nun sollen an zentralen, stadtbildprägenden Standorten wieder Neubauten entstehen, die glaubt man den Entwürfen der Zeitungsveröffentlichungen, auch in irgendeiner anderen Stadt an irgendeinem anderen Standort stehen könnten. Die große Chance, hier endlich mal eine Art von Harmonie im Stadtbild zu schaffen, soll erneut leichtfertig verspielt werden? Normaler Menschenverstand würde doch an der Stelle des Blauen Bocks ein Bauwerk sehen, dass zumindest in Form und Fassadengestaltung zur Ernst-Reuter-Allee passt, also einen Neo-Neo-Klassizismus, der mit seiner Umgebung harmoniert. Gleiches gilt für das gründerzeitliche Viertel des neu zu bebauenden Südabschnitts des Breiten Weges. Welche Chance sich hier eröffnen würde, mit hochwertiger, parzellierter Blockbebauung a la Berliner Friedrichstrasse oder Dresdner Neumarkt den Prachtboulevard Magdeburgs nach Süden zu vervollständigen. Fehlanzeige!  Blauer Bock-Neubau und Breiter Weg-Neubau werden am Urteil der Außenstehenden - also Nichtmagdeburger - über das Aussehen der Stadt wohl nichts ändern.
Den Architekten also weiterhin freie Hand lassen, eine Fassadengestaltungssatzung ablehnen, die Vielfalt der Baustile als Pfund ansehen, den Entwurf für den Neubau am Standort des Blauen Bocks als das Nonplusultra feiern und gleiches für den Entwurf der WOBAU für den Südabschnitt des Breiten Weges sehen? Schade, dass die Stadtväter sich nicht an schönen Beispielstädten orientieren wollen. Quo vadis alte Kaiserstadt Magdeburg?

 
21.10.15

17.00 Uhr: Ausstellungseröffnung über Ulrichskirchenpfarrer Zuckschwerdt

Ausstellungseröffnung am 21. Oktober 2015
Ort:   Gemeindesaal der Matthäusgemeinde
Beginn:  17.00 Uhr
Andacht von Pfarrer Dr. Reinhard Simon

Grußworte
Vortrag von Propst i. R. Dr. Matthias Sens (Magdeburg):„Alles um die Gemeinde !“  Vom Seemannspastor zum Propst
anschließend: Führung durch die Ausstellung im Foyer des landeskirchlichen Archivs

Archiv und Bibliothek
der Kirchenprovinz Sachsen
Freiherr-vom-Stein-Straße 47
39108 Magdeburg

Die Ausstellung kann danach noch bis zum 6. März 2016 während der Öffnungszeiten des Archivs (Mo–Do 8.30– 15.00 Uhr) besichtigt werden. Der Eintritt ist kostenlos. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Führungen vereinbaren Sie bitte mit der Archivleiterin Frau Dr. Margit Scholz. 
Mit der Ausstellung erinnert das Archiv der Kirchenprovinz Sachsen an den 50. Todestag des Theologen Oskar Zuckschwerdt, der ab 1946 als erster das neu geschaffene Amt des Propstes von Magdeburg bis zu seiner Pensionierung 1958 innehatte. Der aus Niedersachsen stammende Oskar Zuckschwerdt trat seine erste Pfarrstelle 1909 in Liverpool als Seemannspastor an. Weitere berufliche Stationen führten ihn nach Schottland, Kurland, in die Champagne, nach Berlin und Schönebeck. Seit 1922 wirkte er als Pfarrer an der Ulrichskirche in Magdeburg. Als prominentes Mitglied der Bekennenden Kirche war er seit 1933 wiederholt Anfeindungen durch den Nationalsozialismus ausgesetzt. Nach Kriegsende war er als Superintendent von Magdeburg, als Propst und als Mitglied der Kirchenleitung maßgeblich beim Wiederaufbau kirchlicher Strukturen inner-halb der Stadt Magdeburg sowie auf der Ebene der gesamten Kirchenprovinz Sachsen beteiligt. Propst i. R. Oskar Zuckschwerdt verstarb am 21. Oktober 1965 in Göttingen. Gezeigt werden zahlreiche historische Dokumente und Fotos von den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts bis 1958, die überwiegend aus dem Nachlass von Oskar Zuckschwerdt stammen und die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Sie beleuchten die Etappen seines beruflichen Lebenswegs, bedeutende Ereignisse der kirchlichen Zeitgeschichte, bieten aber auch ganz private Einblicke. 

 
17.10.15

Teilnahme am 7. Treffen des Verbundes Zerstörte Kirchen

Am 17.10.2015 trafen sich die Mitglieder des Verbundes Zerstörte Kirchen in Berlin. Das sehr ergiebige Treffen wurde durch den nachmittäglichen Besuch der beeindruckenden Ausstellung "Verlorene Gotteshäuser in der Berliner Mitte" gekrönt. Der äußerst interessanten Führung durch die Ausstellung durch Herrn Dr. Goebel, Herrn Fowler und Herrn Dr. Lemburg folgten anregende Gespräche. Herr Hans Berg konnte das Treffen mit vielen historischen Details bereichern. Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. wurde durch Herrn Dr. Tobias Köppe und Herrn Uwe Thal vertreten.

Tagungsrunde des Verbundes Zerstörte Kirchen in Berlin

Herr Hans Berg und Herr Dr. Tobias Köppe

 Herr Rainer Manertz und Herr Uwe Thal                                             Ausstellung in der Berliner St. Thomas-Kirche

Herr Dr. Goebel führt die Gäste durch die Ausstellung

 
16.10.15

Kommentar der Magdeburger Volksstimme zum SPD-Austritt von OB Dr. Trümper

 
25.09.15

Leserbrief in der Magdeburger Volksstimme

 
23.09.15

Der geplante Neubau des "Blauen Bocks" gegenüber der Ulrichskirche

Die Magdeburger Volksstimme berichtet über den Architekturwettbewerb zum Neubau anstelle des "Blauen Bocks":

Die enge Lagebeziehung zum ehemaligen Standort der Ulrichskirche nehmen wir zum Anlass, die Vorschläge und emotionale Diskussion zu dem Thema hier unter Aktuelles zu kommentieren. Als Bürgerverein, dem das historische Altstadtzentrum und seine Teilwiederherstellung besonders am Herzen liegt, erlauben wir uns, die geplante Neubebauung zu bewerten.

Der Gewinner des Wettbewerbs:

Die Magdeburger Volksstimmeleser stimmten in einer Abstimmung der Zeitung wie folgt:

Der Sieger des Wettbewerbs erhielt in der Zeitungsumfrage nur 9,3 Prozent der Stimmen. Dies erstaunt umso mehr, als dass es sich bei dem "Lieblingsentwurf" der Magdeburger Volksstimmeleser um einen Baukörper handelt, der mit seiner fließenden, organischen Glas/Metallfassade in keinerlei Beziehung zu den neoklassizistischen Gebäuden aus den 50er Jahren steht. Im städtebaulichen Kontext würde dieser Entwurf wie ein Fremdkörper wirken. An anderer Stelle jedoch wäre dieses Gebäude ein zeitgenössischer Hingucker. Aus den zahllosen Leserbriefen entnehmen wir hier nur zwei Kommentare:

Da sich das neue Gebäude in eine bestehende neoklassizistische Allee einfügen soll, macht es Sinn zu schauen, welcher Block in den 50er Jahren an dieser Stelle geplant und wegen Geld- und Ideologiewandels nicht mehr gebaut wurde:


Eine Vervollständigung des Straßenzuges mit diesem Block, wie es der Leserbriefschreiber Alfons Briza vorschlägt, ist im rekonstruktionsfeindlichen Magdeburg wohl eher nicht zu erwarten. In das bestehende Architekturensemble würde sich daher vor allem ein Neubau einfügen, der in etwa die Höhe und Form des nicht gebauten Blocks aufnähme. Überraschenderweise kommt der Gewinnerentwurf der Jury diesem Baukörper zumindest nahe:


Empfehlenswert aus unserer Sicht wäre eine Nachbearbeitung des Entwurfes mit einer Erniedrigung des Turmes und dem Hinzufügen eines Attikageschosses beim geplanten Neubau. Der jetzige Entwurf nimmt auch nicht die Traufhöhe der benachbarten Alleebauten auf. Es bleibt weiterhin zu hoffen, dass die Fassadengestaltung und -farbgebung den umgebenden Gebäuden angenähert wird, um eine städtebauliche Harmonie an dieser Stelle zu schaffen.

Abschliessend sei angemerkt, dass vor dem Neubau des "Blauen Bocks" in den 60er Jahren an dieser Stelle ein Gebäude stand, über das bei der ganzen Neubaudebatte bisher nicht berichtet wurde. Dieses nahm zufällig in herausragender Weise den gekrümmten Straßenverlauf der heutigen Ernst-Reuter-Allee auf. Ein Aspekt übrigens, den der Gewinnerentwurf und auch die anderen Entwürfe komplett ignorier. Es hätte sicherlich gut getan, die Geschichte des Ortes mit seiner historischen Bebauung im Vorfeld der Debatte zu portraitieren und aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse das richtige Gebäude für den richtigen Platz zu planen. Abschliessend noch drei Fotos des für den "Blauen Bock" abgerissenen Gebäudes:

 

 

 

 
17.09.15

Denkmal für Magdeburger Recht auf Ulrichskirchenfundamenten?

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

Magdeburger Recht auf dreizehn Säulen

Verein stellt den Vorschlag für Denkmal vor / Fragen zu Standort diskutiert

Claus Bury hat mit seinem Vorschlag zum Magdeburger-Recht-Denkmal die Jury des Vereins Denkmal Magdeburger Recht überzeugt. Jetzt haben die Mitglieder des Kulturausschusses über das Thema diskutiert. Sie möchten, dass die Idee allen Stadträten vorgestellt wird.
Von Martin Rieß

Magdeburg l Acht Meter lang, zehn Meter breit, dreizehn drei Meter hohe Säulen, die mit Sitzbänken verbunden sind. Auf den Säulen befinden sich Pflanzschalen mit Buchsbäumen: Diesen Entwurf hat Claus Bury aus Frankfurt am Main erarbeitet und sich damit im Januar beim Verein Denkmal Magdeburger Recht gegen andere Vorschläge durchgesetzt – die Volksstimme berichtete.

Der Verein hat sein Vorhaben jetzt im Kulturausschuss vorgestellt – und damit eine angeregte Diskussion ausgelöst. Linken-Stadtrat Hugo Boeck war in seiner Eigenschaft als Vereinsvorstand zur Sitzung erschienen. Er sagt: „Wir haben uns auch für diesen Entwurf entschieden, da er Lebendigkeit ausstrahlt.“ Lebendigkeit in einem doppelten Sinn: Zum einen entstünde mit den Sitzmöglichkeiten ein Treffpunkt auf dem Ulrichplatz, der zum Verweilen einlädt. Zum anderen geht es um Lebendigkeit mit Blick auf die Auswirkungen des Magdeburger Rechts bis in die heutige Zeit.

Wie die Volksstimme bereits berichtete, setzt der ausgewählte Künstler auf den Goldenen Schnitt und schaffe damit harmonische Strukturen.

Wichtig, so der Vereinsvorstand, sei ein Denkmal, um einen Ort in der Stadt zu schaffen, an dem an die herausragende Bedeutung des Werkes und damit der Stadt im Mittelalter erinnert werde. Einmal ein Alleinstellungsmerkmal aus dem Mittelalter abseits der Ottonen.

Trotz aller wohldurchdachten Gründe für den Entwurf gab es kritische Nachfrage. So stellte Karin Meinecke, die bis zum vergangenen Jahr für Die Linke im Stadtrat saß und inzwischen mit dem Titel Ehrenstadträtin ausgezeichnet wurde, die Auswahl der Künstler infrage: „Es gibt doch auch Vorschläge Magdeburger Künstler für den Platz des 17. Juni mit dem Eike-von-Repgow-Denkmal – warum wurden die denn nicht in die Überlegungen einbezogen?“

Zwei Antworten hatte der Vereinsvorstand dazu parat. Hugo Boeck nennt die Vereinsgeschichte: „Unser Verein ist 2011 gegründet worden. Und auch andere Künstler, die wir nicht angeschrieben haben, hätten sich ja mit ihren Vorschlägen bei uns melden können.“ Julia Hartwig, Rechtsanwältin und ebenfalls Vorstandsmitglied im Verein, verweist auf den inhaltlichen Unterschied: „Am Platz des 17. Juni geht es ja um Eike von Repgow und den Sachsenspiegel – uns geht es um das Magdeburger Recht. Beide Rechtswerke sind zwei unterschiedliche Dinge, die in unserer Stadt ihren Ursprung haben.“

Grünen-Stadtrat Alfred Westphahl sieht derweil den geplanten Standort auf dem Ulrichplatz in der Nähe der Fundamente der zerstörten Ulrichskirche kritisch. Dazu hatte jedoch Vereinsvorstand Bernd Biedermann in einem Volksstimme-Beitrag im März darauf hingewiesen, dass sich das Denkmal mit den Fundamenten und deren möglicher Sichtbarmachung ins Gehege kommen müssten. Zudem, so Hugo Boeck während der Ausschusssitzung, habe der Künstler einen alternativen Standort keineswegs ausgeschlossen.

Lisa Schulz, sachkundige Einwohnerin im Kulturausschuss und Stadtteilmanagerin in der Neustadt, verwies derweil auf noch andere Plätze: „Mir ist bekannt, dass es auch für den Moritzplatz Überlegungen gibt, hier an das Magdeburger Recht mit einem Denkmal zu erinnern.“

Auf ein Pro oder Contra bezüglich des Vorschlags vom Denkmalverein mochte sich der Kulturausschuss vor dem Hintergrund der Diskussion nicht verständigen. Oliver Müller, Die-Linke-Stadtrat und Vorsitzender des Ausschusses, stellte für sich jedenfalls fest: „Mir gefallen die Entwürfe zum Magdeburger Recht ebenso wie die für den Platz des 17. Juni.“ Angesichts der Bedeutung des Themas, das auch in der Bewerbung der Landeshauptstadt um den Titel der Kulturhauptstadt eine Rolle spielen soll, schlug er vor, dass alle Akteure zum Beispiel vor einer Stadtratssitzung im Rathaus den interessierten Stadträten ihre Ideen vorstellen. Insbesondere soll sich bei dieser Gelegenheit auch der Kunstbeirat, zu dessen Aufgaben u. a. die fachliche Begleitung von Kunstprozessen, die Beurteilung von Kunststandorten und die fachliche Stellungnahme zu Kunstwerken gehören, ein Bild machen können.

 
15.09.15

Kein Geld für Luther und das Reformationsjubiläum in MD

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

Ein Leserbrief kommentiert:

 

 
01.09.15

Standortuntersuchung der Ulrichskirche am Ulrichsplatz

Geomantische Exkursion und Magdeburger Planertreffen PT19 standortgerechtes Planen & Bauen:

 

Zu einer Standortuntersuchung auf dem Ulrichsplatz am Ort der früheren Kirche St. Ulrich und Levin sind als Einstieg und erster Höhepunkt am Nachmittag um 14.30 Uhr alle Interessierte und Neugierige sowie die Mitglieder des Radiästhesievereins Deutschland e.V. zur Teilnahme sehr herzlich eingeladen. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.

14.30 Uhr - 17 Uhr Ulrichsplatz, Gelände der ehemaligen Kirche St. Ulrich und Levin: Standortuntersuchung und Mutung zu Fragen des ehemaligen Kirchengebäudes durch den Experten Prof. Eike Hensch gemeinsam mit Dr. phil. Guido Heinrich, Philosoph, Literatur- und Kultur-wissenschaftler. Eingeladen sind u.a. die Mitglieder des Fördervereins „Wiederaufbau St. Ulrich“ sowie Studierende des Studiengangs ‚Cultural Engineering’ der OVGU Magdeburg. Die Veranstaltung ist öffentlich.

 

Herr Joachim Barone bat uns, seinen Bericht über die Veranstaltung zu veröffentlichen:

Am 01.09.2015 fand zunächst um 14:30 Uhr auf dem Ulrichplatz eine von Frau Dagmar Chrobok, Architektin und Geomantin in Magdeburg, initiierte geomantische Standortuntersuchung und Mutung zum Thema Ursprünge der Ulrichskirche seitens des Radiästhesievereins Deutschland e. V. (www.rvdev.de) sowie ein anschließendes Beisammensein u. a. mit der Besprechung der Ergebnisse im Café Alex statt. Diese Idee zur Exkursion entstand durch ein Vorgespräch mit Herrn Dr. Guido Heinrich, Mitautor am Buch der Ulrichskirche und Inhaber des Mauritius Verlages, sowie Philosoph und Literatur-und Kulturwissenschaftler, der eingeladen war, der aber leider neben der Absage durch Herrn Prof. Eike Hensch an dem Nachmittag ebenfalls verhindert war. Durch diese Veranstaltung wie auch durch die nachfolgende Abendveranstaltung  im Rahmen des 19. Magdeburger Planertreffens mit Unterstützung durch die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung  führte Frau Dagmar Chrobok. Die Untersuchungen wurden durch sie sowie durch Frau Eva M. Martin, erste Vorstandsvorsitzende des Radiästhesievereins Deutschland e. V. und durch Frau Dr. Prof. Beate Birgikt-Quentin, zweite Vorstandsvorsitzende dieses Vereins, durchgeführt und geleitet. Eingeladen waren Architekten, Planer, an Stadtentwicklung und gutem Bauen Interessierte sowie darüber hinaus an der Thematik Interessierte, insbesondere auch die Mitglieder des Kuratoriums Ulrichskirche e. V.

Geomantie ist eine ganzheitliche Wissenschaft, die bestrebt ist, „mit dem menschlichen Körper als Resonanzkörper mit Hilfe der Radiästhesie sowie vor allem einer bewusst geöffneten Wahrnehmung die geistig-seelische Dimension des Ortes zu erfassen“. Der Begriff  setzt sich aus geo = Erde und mantik = Sprache, Aussage  zusammen, bedeutet also „Erde und Sprache“. Geomantie beschäftigt sich mit der Interpretation von Orten, Räumen und Landschaften. Da der Mensch als Teil der Natur mit seinem Lebensraum untrennbar verbunden ist, spiegeln sich beide und es ist möglich, die Realität gegenseitig zu beeinflussen. Wenn sich der Mensch verändert, verändert sich auch seine Umwelt und umgekehrt. Indem der Raum/Umgebung/Ort gedeutet wird, schließt der Geomant auf die mögliche körperliche und seelische Wirkung beim Menschen (vgl. dazu auch www.rvdev.de, Fachgruppenseite Geomantie). Die Radiästhesie (auch Radioästhesie) ist die Lehre von so genannten Strahlenwirkungen auf Organismen. Die Untersuchung der Strahlen und deren Auswirkungen geschieht mittels Strahlenfühligkeit bzw. Strahlenempfindlichkeit des Radiästheten mit den Instrumenten Rute und Pendel (zitiert aus http://www.heilpraktiker.org/radiaesthesie ). 

Für die Untersuchung vor Ort wurden unterschiedliche Rutentypen, vor allem auch radiästhetische Präzisionsantennen, verwendet. Alle Interessierten waren eingeladen, nach einer kurzen Einweisung das Rutengehen selbst auszuprobieren und sich auch an den Messungen zu beteiligen.
Gegenstand der Untersuchungen waren vor allem mögliche Vorgängerbauten der Ulrichskirche sowie allgemein die geomantischen Verhältnisse des Platzes. Frau Chrobok führte zunächst am Bronzemodell der Ulrichskirche in die Thematik ein. Als Fragen wurden dann insbesondere gestellt, welche Kraftlinien durch den Ulrichplatz verlaufen und ob sich zwei zentrale europäische Kraftlinien dort kreuzen, ob sich auch bereits in vorchristlicher Zeit ein wichtiger Kultplatz dort befand, und ob auch ein Zusammenhang des Ulrichplatzes mit sog. Ley-Linien (Kraftlinien, die zwischen Kirchen, Landmarken und prähistorischen Kultstätten wie z. B. Stonehenge verlaufen) besteht. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich an der Stelle der Südseite der Ulrichskirche bereits eine kleine Kapelle etwa aus dem 9. Jahrhundert befunden haben dürfte, deren Fundamente unter denen der Ulrichskirche liegen könnten. Dann dürfte westlich von der Ulrichskirche ein noch älterer romanischer Vorgängerbau existiert haben, dessen Fundamente nicht unter der Ulrichskirche, sondern vor dem damaligen Portal- und Turmbereich der Ulrichskirche liegen dürften. In beiden älteren Kirchen dürfte bereits eine intensive Verehrung des Heiligen Ulrich unter Kaiser Otto stattgefunden haben. Die Geomantinnen betonten ausdrücklich, dass eine archäologische Suche an diesen Stellen äußerst lohnend wäre. Festgestellt wurde auch, dass zwischen Ulrichskirche und Johanniskirche sowie zwischen Ulrichskirche,  Katharinen- und Jakobikirche Kraftlinien bestehen. Auch waren für die Untersucherinnen immer noch die Kräfte der Stoßwellen der Kirchensprengung 1956 spürbar. Tatsächlich soll sich zudem ein alter vorchristlicher Kultort mit überregionaler Bedeutung etwa im Südwestbereich der Ulrichskirche, ca. 25 Meter östlich von der Skulptur „Sitzende Schwimmerin“ von Siegfried Krepp aus den Jahren 1959/61, befunden haben. Hinsichtlich der übrigen Fragen (etwa ob sich die Fundamente der romanischen Vorgängerkirche und der Ulrichskirche überlappt haben, oder der Einfluss zentraler europäischer Großraumlinien) werden weitere Auswertungen und Untersuchungen stattfinden.

In der Abendveranstaltung im Pfarrsaal der Universitätskirche St. Petri fanden mehrere Vorträge sowie ein zwangloses Zusammensein mit Häppchen und Getränken statt.
 
Der erste Vortrag von Frau Prof. Dr. Beate Birgikt-Quentin, Geomantische Gestaltung, die als Vertreterin von Herrn Prof. Dr. Eike Hensch referierte (dieser war aus wichtigem Grund verhindert) zeigte zunächst auf, dass nicht nur Menschen, sondern auch Kirchen, Städte, Landschaften und ganze Kontinente Chakrensysteme aufwiesen. Als Chakren werden subtile Energiezentren als Verbindung zwischen materiellem (grobstofflichen) Körper und dem subtilen (feinstofflichen) Körper bezeichnet (vgl. Wikipedia). Danach stellte sie am Beispiel des Klosters Corvey dar, wie ein Gründungsritual für eine Kirche verlaufen sein könnte. Auch zu den Zeiten früher Kirchengründungen seien Vermessungen bereits mit der Wünschelrute vorgenommen worden. Sehr wichtig sei auch die Zahlensymbolik für die Kirchen. Die Vier gelte etwa als die Zahl des irdischen Universums, die Drei als die Zahl der Vollendung. Die Sieben als heilige Zahl und als Summe aus Drei und Vier vereinige Gott und die Welt. Die Zwölf als dreimal Vier sei eine besonders wichtige heilige Zahl. Deshalb seien Vierungen wichtige Bauelemente in Kirchen. Schließlich stellte sie nochmals die bisherigen Ergebnisse auf der Suche nach den Ursprüngen der Ulrichskirche vor. Auf einer Lagekarte zeigte sie u. a. die Stoßwellenmetamorphose (die kräftemäßig bis heute spürbaren Folgen der Sprengung der Kirche), den Grundwasserstrom und die geomantischen Zonen auf. Der westliche Vorgängerbau der Ulrichskirche sei ein einschiffiger Bau mit Chor gewesen. Die Kapelle sei etwas jünger. Es wurden auch die Chakren im Zusammenhang mit den Vorgängerbauten der Ulrichskirche dargestellt.

Im zweiten Vortrag von Frau Dr. Sandra Maria Geschke, Ganzheitliches Wohnen am Beispiel von Cultural Engineering-Projekten im städtischen Raum, wurden anhand theoretischer Ausführungen und anhand von Beispielen stadtgestalterische Ansätze im städtischen Raum unter Berücksichtigung der Geomantie aufgezeigt. In einem dritten Vortrag referierte Herr Hans-Georg Eberlein schließlich über das Chakrensystem und über Energieströme in Kirchen und zeigte anhand von praktischen Vorführungen mit kleinen Steinmodellen, Pyramiden und anderen Elementen eindrucksvoll auf, dass bereits die richtige Anordnung von quaderförmigen Steinen im kleinen Modell auf dem Tisch deutlich fühlbare Energieströme auslösen konnte.

Fazit:
Es handelte sich um einen hochinteressanten Veranstaltungstag, der erstmals in Magdeburg das Thema Geomantie umfangreich aufzeigte, und in dem die Thematik Ulrichskirche aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet wurde. Sehr erfreulich ist hierbei, dass die Geschichte der Ulrichskirche mit erweiterten Akzenten erneut in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Es wurde betont, dass gerade unter den besprochenen Aspekten Ausgrabungen und archäologische Forschungen umso wichtiger würden, zumal nun auch zwei Vorgängerbauten der Ulrichskirche sowie ein vorchristlicher Kultplatz in Rede stünden.  

 
08.07.15

Architekt Hans Kollhoff bringt es auf den Punkt:

 
08.07.15

Die Magdeburger Volksstimme berichtet

 
05.07.15

Beispiel Polen: Fundamentsichtbarmachung und Portal

Vereinsmitglied Joachim Barone stellt uns diese Bilder von seiner Polenreise im Juni 2015 zur Verfügung. Er schreibt: „Diese Bilder von meiner Rundreise Danzig/Gdansk – Masuren - Thorn/Torun sollen zeigen, wie zum einen nicht nur einzelne Gebäude, sondern ganze Städte (hier Danzig) wieder aufgebaut werden können, denn Danzig wurde im Zweiten Weltkrieg im Zuge der Kampfhandlungen mit der Roten Armee zu mehr als 90 Prozent zerstört. Die Altstadt wurde nahezu komplett wieder aufgebaut. Die anderen Bilder zeigen, wie eine vor langer Zeit (hier im 19. Jahrhundert) abgerissene Kirche (hier die Nicolaikirche in Thorn) vor der Vergessenheit bewahrt werden konnte und wie gut sich ein Portal und Grundmauern, die sogar als Sitzgelegenheiten dienen können, in eine Parkanlage einfügen. Das wäre wieder ein Beispiel, wie die Freilegung der Ulrichskirche aussehen und in die Grünanlage perfekt integriert werden könnte.“



 
04.07.15

17 Uhr: Feier des Ulrichstages am Bronzemodell

Liebe Mitglieder und Freunde der Ulrichskirche,
am kommenden Samstag (4. Juli 2015) ist Ulrichstag. In diesem Jahr erinnern wir außer an St. Ulrich auch an den anderen Namenspatronen der Kirche: St. Levin. Der volle Name der Kirche lautet ja "St. Ulrich und Levin". Die Andacht wird um 17 Uhr am Bronzemodell der Ulrichskirche auf dem Ulrichsplatz unter der Leitung von Dr. Matthias Sens stattfinden. Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme.

Folgend der Andachtstext von Propst i.R. Dr. Matthias Sens:

Wir wollen heute einmal besonders an den Heiligen Livinus, den zweiten Namenspatron der Kirche St. Ulrich und Levin denken. Die Idee, dies zu tun, kam mir, als ich die biblischen Losungsworte für den heutigen Tag gelesen habe. Sie handeln von Verfolgung und Leiden um des Glaubens und um der Sache Jesu willen. Dafür gibt es im Leben des Hl. Ulrich nicht so viele Anhaltspunkte, wohl aber bei dem Hl. Livinus oder Levin, der der Überlieferung nach am 12. November 657 den Märtyrertod gestorben ist. Im Heiligenkalender ist der 12. November sein Tag, aber da werden wir vermutlich hier nie eine Andacht machen. Deshalb also heute mal, am Tag des Hl. Ulrich, ein Gedenken an seinen Mit-Patron Levin.
Livinus wurde der Legende nach um 580 als Sohn einer edlen Familie in Irland geboren. Als junger Mann kam er zur Ausbildung nach Südengland. Wieder in Irland, wurde er zum Priester geweiht. Vielleicht war er auch Bischof.
Wie viele andere Mönche und Priester aus Irland, Schottland und England fühlte er sich zur „peregrinatio Domini“ berufen, zum Reisen in andere Länder im Namen Gottes, um Heiden zu missionieren. Er verließ also Irland und ging nach Flandern im heutigen Belgien. Lange Zeit missionierte er von Gent, später von Aalst aus. Bei seiner Missionstätigkeit wurde er öfter angegriffen aber auch wunderbar bewahrt. 657 wurde er in der Grafschaft Aalst erneut überfallen. Man schnitt ihm, dem Missionar, die Zunge ab, mit der er das Wort Gottes verkündet hatte, und enthauptete ihn schließlich. Sehr bald nach seinem Tod wurde er in Flandern als Märtyrer und Heiliger verehrt. Er hat dort noch heute seinen festen Platz im Heiligenkalender.
Wieso dieser flämische Regionalheilige auch in Magdeburg verehrt wurde und neben St. Ulrich zum Patron einer Kirche wurde, ist nicht ganz klar. Vielleicht stehen Handelsbeziehungen nach Flandern dahinter oder auch die Ansiedlung von Flamen im Mittelalter hier in unserer Gegend.

Bibelworte für den 4.7.2015: Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich. (Psalm 7,2)
Christus spricht: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. (Matthäus 5,11)

Liebe Gemeinde!
Über Stellen in der Bibel, an denen von Feinden und Verfolgung und Leiden gesprochen wird, gehen wir gern schnell hinweg. Denn das klingt oft sehr hart und anstößig, und wir denken auch nicht gern in den Kategorien von Verfolgung und Feindschaft, wenn es um den Glauben geht. Es ist ja auch viel schöner, auf die anderen Seligpreisungen zu hören, wie z.B. diese: Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Oder: Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen – als sich sagen zu lassen: Selig seid ihr, wenn ihr um Jesu willen verfolgt werdet und übler Nachrede ausgesetzt werdet. Und wir hören solche Geschichten wie vom Hl. Levin mit einem gewissen ehrfürchtigen Schauer und haben Hochachtung vor denen, die sich nicht scheuen, ihr Leben für den Glauben einzusetzen. Wir selber leben unseren Glauben aber doch lieber in Harmonie mit unserer Umwelt.

Das ist alles richtig, und so soll es ja auch sein. Und doch muss der Glaube immer wieder durch Zeiten hindurch, in denen er abgelehnt  und angefeindet wird, und die Geschichte der Kirche kennt viele Zeiten, in denen der Gemeinde hart zugesetzt wird und man durchaus von Verfolgung reden kann. Wie mit der Ulrichskirche und den anderen Altstadtkirchen in den fünfziger und sechziger Jahren umgegangen worden ist, kann man durchaus in diesem Zusammenhang sehen. Die Kirchtürme, die wie ein aufgereckter Zeigefinger Gottes mitten in der Stadt standen, wollte man nicht mehr, genauso wie man die Verkündigung des Wortes Gottes und das Leben der Gemeinden behinderte, wo man nur konnte.
Gerade in solchen Zeiten  braucht es ein tiefes Vertrauen, dass Gott seine Kirche bewahren wird, und dass er die Gemeinden und jeden einzelnen weiterführen wird im Glauben. Dieses Vertrauen ist in den fünfziger und sechziger Jahren immer wieder zum Ausdruck gebracht worden wie auch die Überzeugung, dass die Gemeinden nun erst recht den Weg des Glaubens weitergehen mussten.

Unser christlicher Alltag ist Gott sei Dank heute nicht von Verfolgung und Benachteiligung bestimmt. Und doch haben wir alle schon die Erfahrung gemacht, wie der Glaube abgelehnt wird, und wie ihm ein feindseliger Wind ins Gesicht bläst. Jesus sagt: Selig seid ihr, wenn ihr so etwas erlebt. Zu einem lebendigen Glauben gehört so etwas einfach dazu. Anfeindungen gilt es im Vertrauen auf Gott zu ertragen. Und Jesus meint: Ihr werdet gestärkt daraus hervorgehen.  Euer Glaube wird reicher und fester werden.

Liebe Freunde, die Ablehnung der Ulrichskirche kommt bei einigen  auch heute aus einer gewissen Feindseligkeit gegenüber Glauben und Kirche. Manchmal spielt so etwas jedenfalls deutlich mit. Anfeindungen und Verleumdung gehören auch heute und auch bei uns halt dazu. Wir sollten dabei aber besonders auf den kleinen Einschub hören, der in dieser Seligpreisung steht: Selig seid ihr, wenn sie allerlei Übles gegen euch reden, wenn sie damit lügen. Lasst doch die anderen ihre feindseligen Reden führen, Hauptsache ihr seid bei der Wahrheit geblieben. Hauptsache ihr lasst euch nichts zuschulden kommen, sondern geht aufrichtig und geradlinig euren Weg.
Dieser kleine Einschub weist uns darauf hin, worauf es überhaupt ankommt, wenn es mal schwierig wird: Lebt und arbeitet im festen Vertrauen auf Gott. Haltet treu und aufrichtig am Glauben fest. Bleibt ihr friedfertig und barmherzig und reinen Herzens, wie Jesus es in den Seligpreisungen sagt. Dann braucht euch alles andere keine Sorgen zu bereiten. Im Gegenteil, dann wird euch alles zum Guten dienen.

 
28.05.15

Archäologische Grabungen auf dem Ulrichskirchplatz

Der heutige Ulrichsplatz ist der ehemalige Friedhof der Ulrichskirche. Dieser umgab die Kirche zu allen Seiten. Auf dem Friedhof wurden seit über eintausend Jahren bedeutende Bürger der Stadt beigesetzt.

Wir begrüßen die archäologischen Ausgrabungen, die im Zuge der Straßenbahnsanierung durchgeführt werden. Was würde man erst entdecken, wenn man direkt in der Kirche graben würde?

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

 
01.04.15

Leserbriefdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
28.03.15

8. Mitgliederversammlung

Die achte Mitgliederversammlung des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. war geprägt von Zuversicht, Ideenreichtum und Tatendrang. Folgend ein paar Impressionen von der Versammlung, u.a. mit Dr. Willi Polte, Alt-OB der Stadt Magdeburg:

 

 
27.03.15

Leserbriefdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
25.03.15

Leserbriefdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
24.03.15

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

 
24.03.15

Leserbriefdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
21.03.15

Leserbriefdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
16.03.15

Leserbrief-/Facebookdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
16.03.15

Leserbrief-/Facebookdebatte in der Magdeburger Volksstimme

 
15.03.15

OB Trümper bei Oberbürgermeisterwahl im Amt bestätigt

Oberbürgermeister Lutz Trümper wurde am Sonntag für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt. Die Magdeburger Volksstimme berichtet (Auszug):

"Phänomenal", "überwältigend", "eindrucksvoll" - der SPD gingen die Attribute des Lobes am Sonntagabend nicht aus. Landeschefin Katrin Budde wollte Lutz Trümper, den Garanten des Erfolges in Magdeburg, kaum mehr loslassen. Und doch kann er sich nicht von einer Mehrheit der Magdeburger im Amt bestätigt fühlen...Fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung steht hinter dem alten und neuen Oberbürgermeister, von der wählenden Minderheit sind es mehr als zwei Drittel. Daneben gelingt keinem Lager eine Mobilisierung in nennenswertem Umfang...1994 gingen 62 Prozent der Magdeburger zur OB-Wahl. 2001 brach das Interesse ein. Seit 2008 überlässt eine schweigende Mehrheit einer politisch interessierten Ein-Drittel-Gesellschaft die Entscheidung, wer die Stadt regiert.

 
14.03.15

Facebookkommentar

 
13.03.15

Die Magdeburger Volksstimme berichtet

Der Artikel ist auch online hier zu finden:

http://www.volksstimme.de/aboservice/volksstimme.de_newsletter/1442074_Neuer-Anlauf-fuer-die-Ulrichskirche.html


Anmerkung: Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. gründete sich am 31. Oktober 2007.

 
15.02.15

Die Mitteldeutsche Kirchenzeitung berichtet:

 
04.02.15

Rattenburg statt Ulrichskirche

Die Magdeburger Volksstimme berichtet:

 
02.02.15

Suchschachtungen nach der Unterkirche auf der zentralen Grünfläche? In Leipzig kein Problem!

Was in Magdeburg die Gemüter bewegt, regt in Leipzig niemanden auf: Suchschachtungen nach der Unterkirche von St. Johannis auf Leipzigs zentraler Grünfläche Johannisplatz. Wie die Dinge sich doch gleichen: Unter Leipzigs zentraler Grünfläche in umittelbarer Nachbarschaft zur Universität liegen die Fundamente und Grüfte der gesprengten Johanniskirche. Ihr Schiff wurde 1949, ihr Turm trotz bereits erfolgter Sanierung 1963 von den DDR-Oberen gesprengt. In der berühmten Bach-Gellert-Gruft waren einst die Gebeine Johann Sebastian Bachs und Christian F. Gellerts beigelegt. Grund genug für den Förderverein Johanniskirchturm e.V., die Unterkirche einmal freizulegen und damit wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Und dies nicht einmal auf eigene Kosten! Die folgenden Bilder zeigen, was geschehen kann, wenn Stadtverwaltung und Bürgertum Geschichtsbewußtsein zeigen:


Der Johannisplatz: Blick in Richtung Universitätskirche, an der Stelle des gesprengten Turms der Johanniskirche steht ein Holzkreuz


Ulrichsplatz oder Johannisplatz? Was in Leipzig geht, wird in Magdeburg verhindert


Die Grablege (Gruft) von Johann Sebastian Bach: Gut zu erkennen der ehemalige Standort der Särge von Bach und Gellert


Die Gruft liegt nur wenige Zentimeter unter der Grasnarbe


In Leipzig überlegt man nun, wie man die Gruft der Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Entweder werden Glasplatten darüber gelegt, die einen direkten Blick hinunter ermöglichen, oder die Gewölbe werden wieder aufgemauert und der unterirdische Raum über eine Treppe begehbar gemacht. Der Wiederaufbau des Turms wird mittelfristig folgen. Wir danken für die Bereitstellung der Bilder aus Leipzig.

 
31.01.15

Die Potsdamer Neueste Nachrichten berichten

 
31.01.15

"Verbund zerstörte Kirchen" trifft sich erneut in Magdeburg zum Erfahrungsaustausch

Die verschiedenen Fördervereine zum Wiederaufbau in der DDR gesprengter Kirchen treffen sich am 31. Januar 2015 erneut in Magdeburg. Ein ausführlicher Bericht folgt.

 
16.01.15

Die Magdeburger Volksstimme berichtet

 
16.01.15

70 Jahre Zerstörung Magdeburgs, 70 Jahre Beschädigung der Ulrichskirche

Am 16. Januar 1945 wurde die Magdeburger Innenstadt in Schutt und Asche gelegt. Aus dem Trümmermeer ragten fast unbeschädigt die beiden Türme der Ulrichskirche heraus. Das Schiff war ausgebrannt, die Gewölbe waren zum größten Teil noch vorhanden. Heute begehen wir den 70. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs und der Beschädigung der Ulrichskirche im Zweiten Weltkrieg.

 
11.01.15

Neuer Gästebucheintrag

Wir weisen gern auf unsere neuen Gästebucheinträge hin und freuen uns auf weitere Zuschriften:
www.ulrichskirche.de/cms/gaestebuch01.html

 
01.01.15

Frohes neues Jahr

Wir wünschen allen Vereinsmitgliedern und Freunden der Ulrichskirche ein frohes und gesundes neues Jahr 2015. Wir freuen uns auf den weiteren, gemeinsamen Weg für St. Ulrich und Levin.

 
24.12.14

Frohe Weihnachten

Wir wünschen allen Mitgliedern und Freunden der Ulrichskirche ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! Am Heiligabend werden wir alle den Geburtstag des Christkindes feiern, das uns von Gott gesandt wurde. Es sei dahingestellt, ob uns der Glaube, oder die gute, damit verbundene Tradition bewegt, dies zu tun. Wir alle feiern das Weihnachtsfest! Frohe Weihnachten!

 
19.12.14

Ulrichsbote Dezember 2014 erscheint

Der Ulrichsbote wurde an alle Mitglieder versandt.

 
29.11.14

Vorstandssitzung

Treffen des Vorstands zu aktuellen Fragen und Themen.

 
21.11.14

11-16 Uhr Kolloquium: Städtebauliche Reparatur-Neue Meisterhäuser in Dessau

Dessau baut wieder auf und repariert dadurch städtebauliche Mißstände:

Das Kolloquium findet in der Gropiusallee 38 in Dessau-Rosslau statt.

 
31.10.14

Reformationsfeier am Bronzemodell

Liebe Mtglieder und Freunde der Ulrichskirche,

die AG Citykirchenarbeit lädt in diesem Jahr wieder zu einer Reformationsfeier am Modell der Ulrichskirche auf dem Ulrichsplatz ein:

Freitag, 31.10. 2014, Beginn 15:17 Uhr

Die Uhrzeit erinnert an den Beginn der Reformation im Jahre 1517.
"Bild und Bibel in der  Reformation" ist das neue Jahresthema der Lutherdekade, dem wir uns in unserer Feier zuwenden. Wir werden uns dazu ein illustriertes Flugblatt anschauen, das ca. 1550 in Magdeburg gedruckt wurde, also in der Hochzeit der "Herrgotts Kanzlei". Mit Bibelworten und Liedern werden wir die Botschaft der Reformation aufnehmen. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und eine gemeinsame Feier, die auch in diesem Jahr von unserem Engagement und unserem Willen künden soll, unablässig der Stadt Bestes zu suchen!


 

Andacht  am Reformationstag – 31. Oktober 2014 zum Jahresthema  der Lutherdekade 2015 „Reformation – Bild und Bibel“

Im Oktober 2015 wird der 500. Geburtstag des Malers Lucas Cranach d.J. begangen. Das ist der Anlass dafür, sich 2015 dem Thema Bild und Bibel in der Reformation zu stellen. Heute wird dieses neue Themenjahr eröffnet.
 Man darf bei diesen Thema nicht nur an die großen Kunstwerke denken, die Altarbilder und Gemälde zu biblischen Themen, sondern auch an das, was wir heute vielleicht Kleinkunst nennen würden, Grafiken, Zeichnungen, Illustrationen. Sie wurden damals in großer Zahl zu vielen Themen gemacht und gedruckt, von Cranach und von vielen anderen. Auch Flugblätter gehörten dazu, auf denen mit Wort und Bild Anliegen der Reformation dargestellt und unter das Volk gebracht wurden. Sie trugen in der Anfangszeit der Reformation, also etwa ab 1520, ganz wesentlich dazu bei, dass das Gedankengut der Reformation rasch verbreitet wurde, ja dass die Reformation überhaupt zum Zuge kam. Die Bilder sprachen für sich, und für die des Lesens Kundigen brachten Texte in der deutschen Muttersprache die Sache auf den Punkt. Das war neu und bahnbrechend. So wurde die Reformation auch zum Medienereignis. Dazu gehörte natürlich auch die enorme Anzahl von Büchern und Schriften, allen voran die von Martin Luther, die in vielen Auflagen erschienen, und schließlich die Bibel in deutscher Sprache, erst das Neue Testament und dann nach und nach die ganze Bibel.
Magdeburg wurde vor allem gegen Ende der Reformation zu einem wichtigen Zentrum für den Druck reformatorischer Schriften, als es galt, die Reformation gegen den Kaiser zu verteidigen, der nach dem Sieg über die evangelischen Fürsten und Städte im Schmalkaldischen Krieg ab 1548 die Reformation weitgehend rückgängig zu machen versuchte. Magdeburg war zeitweise der einzige Ort, in dem noch evangelische Schriften gedruckt werden konnten, Magdeburg – unserer Herrgotts Kanzlei. Aus dieser Zeit um 1550 stammt das Flugblatt mit dem auferstandenen Christus in der Mitte, das wir uns heute anschauen. Es hat im Original etwa DIN A 3-Format, da konnte man auch die Schrift einigermaßen lesen.
Die Überschrift ist ein Bibelwort, das der Geschichte von der Verklärung Jesu in Matthäus 17 entnommen ist: Also spricht Gott: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen hab DEN sollt ihr hören. Die übrigen Texte stammen von Erasmus Alberus, der sich seit 1549 als Exulant in Magdeburg aufhielt, einer der vier Theologen, die den Löwenanteil der Streitschriften verfasst haben, die damals in Magdeburg entstanden. Allein auf Christus sollt ihr hören – das ist das Programm dieses Flugblattes, noch unterstrichen durch die Hervorhebung des kleinen Wörtchens „DEN“.  Also den und keinen anderen. Das ist auch das Programm der Reformation. Darum ging es Luther. Und das ist es, worum es uns auch heute immer wieder gehen muss: auf Christus zu hören, immer wieder zum biblischen Wort zurückzukehren und es aufzunehmen, so gut wir können.

 (2) Bild und Bibel – das passt zusammen. Die vielen anschaulichen und oft auch dramatischen Geschichten der Bibel verlangen geradezu nach einer Darstellung.  Viele von uns haben Bilder in ihrem Kopf, die aus den illustrierten Bibeln der Kinderzeit stammen oder natürlich die großartigen Darstellungen von Künstlern wie Cranach. Dazu kommt, dass die Sprache der Bibel selbst voller Bilder ist. Ja, der Glaube braucht Bilder. Sie verbinden den Glauben mit dem Leben.
Es gibt in der Bibel aber auch die Warnung: Du sollst dir kein Bildnis machen. Sie gehört eigentlich sogar zu den zehn Geboten, und für das Judentum ist dieses Gebot bis heute zentral. Mach dir kein Bild von Gott, weil Gott größer und anders ist, als irgendein Bild es je darstellen könnte. Nicht Bilder sollen angebetet und verehrt werden, sondern Gott allein.
Wie soll man auch Gott darstellen? Bei Jesus ist das klar. Er ist ja der Mensch gewordene Gott. Also kann man Jesus Gottes Sohn als Menschen darstellen. Freilich, schon beim auferstandenen Christus ist das problematisch. Denn er war ja kein wiederbelebter Mensch, sondern er ist in das Leben und in die Ewigkeit Gottes hinein auferweckt worden. Die Bibel spricht deshalb von einem ganz und gar verklärten Leib des Auferstandenen. Aber wie soll man das zeigen? Und dann noch mit einem schwarz-weißen Holzschnitt? Man stattet ihn mit Zeichen aus, die ihn als den auferstandenen Christus ausweisen: die Siegesfahne zum Zeichen dafür, dass der Tod besiegt ist. Die Seitenwunde und die Nägelmale an Händen und Füßen, die zeigen, Jesus ist durch den Tod hindurchgegangen. Auf unserem Bild dann auch noch unterhalb des Kreuzigungshügels das leere Grab mit den eingeschlafenen Wächtern.
Gott der Heilige Geist wird meist in Gestalt einer Taube dargestellt, auch hier. Die Bibel selbst verwendet dieses Bild für den Geist.
Am problematischsten ist es bei Gott dem Vater. Er ist hier als eine aus den Wolken heraus segnende Vatergestalt abgebildet. Das ist eigentlich ein schönes Bild, wenn wir es nur nicht missverstehen als eine Abbildung Gottes. Gott ist kein alter Mann mit Rauschebart. Er ist auch nicht in diesem Sinne „oben in den Wolken“. Aber er ist sehr wohl der die Welt segnende und alles mit Leben erfüllende Vater des Lebens.
Im ganzen wird hier also der dreieinige Gott ins Bild gesetzt, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, verbunden durch das Band der Liebe und Einheit. Er soll durch dieses Bild verkündet werden.
Die vielen Namen und Bilder, mit denen in der Bibel von Gott gesprochen wird, sollen ihn mit unserem Leben verbinden, aber auch deutlich machen: Gott ist immer noch wieder größer und anders, als wir denken und es je erfassen können.

(3) Die zentrale Botschaft des Bildes ist: Der auferstandene Christus hat Sünde und Tod besiegt und hat dadurch Heil und Leben für die Menschen gebracht, die Menschen, die in solchen Städten wohnen, wie sie im Hintergrund abgebildet ist, mit Stadttor, Häusern und Kirchturm. Für das Heil dieser Menschen ist Christus am Kreuz gestorben. Die drei Kreuze stehen noch da. Das mittlere ist leer. Die Siegesfahne nimmt das Zeichen des Kreuzes auf und wird zum Symbol des Jubels.
In dem Gedicht von Erasmus Alberus werden die Betrachter des Bildes von Christus selbst angeredet und an die zentrale Botschaft des Glaubens erinnert: Ich Gottes eingeborner Sohn/ Marien Kind herrlich und schön/ Jesus Christus das ist mein Nam/den ich im Himmel überkam/ Den Christen bin ich wohl bekannt/ mein Vater hat mich ausgesandt/ dass ich die Menschen selig mach/ das sieht nit gern der höllisch Drach/ und ficht der Menschen Glauben an, die einhergehn auf rechter Bahn…
Diesen Glauben wieder aufzurichten, nämlich für das eigene Seelenheil ganz und allein auf die Gnade Gottes zu vertrauen und auf das, was  durch Christus in seinem Leben, Sterben und Auferstehen geschehen ist, darum ging es Luther und der Reformation. Deshalb weist in dem Gedicht nun Christus selbst auf Luther hin. Christus beschloss, „zu senden einen Mann auf Erden/ Durch den die Welt bekehrt soll werden/ Martinus Luther ist der Mann/ der hat gesungen wie ein Schwan/ ein süss Gesang im Sachsen land/ dadurch ward ich der Welt bekannt…...

(4) Anders als in dem Gedicht von Erasmus Albers kommt Luther auf dem Bild selbst nicht vor. Das wäre durchaus denkbar gewesen. Es gibt viele Altarbilder aus der Reformationszeit, die Luther und andere Reformatoren abbilden. Manchmal tragen die Jünger beim Abendmahl ihre Gesichter, oder sie vollziehen eine Taufe oder sie stehen auf der Kanzel wie auf dem berühmten Bild in Wittenberg, wo Luther predigt und dabei mit ausgestrecktem Arm auf Christus weist. Darauf verzichtet der Künstler hier und stellt dafür Christus machtvoll und demonstrativ in den Mittelpunkt. Eine Herrschergestalt, einer, der in jedem Falle siegen wird. So beginnt auch der kleine Text über dem Bild: Hie siehst du, lieber Leser mein/ dass Christus selbst will König sein/ und wird’s wohl bleiben ewiglich/ darum sollst du nicht fürchten dich….
Die Christusgestalt schaut den Betrachter des Bildes an und scheint ihn anzureden: Seht, ich bin es. Es ist alles getan, was zu eurem Heil nötig war und ist. Ihr könnt mir ganz vertrauen. Ich, ich allein führe euch zum ewigen Leben. Damit setzt die Gestalt des auferstandenen Christus ins Bild, was die Überschrift als Gottes eigenes Wort verkündet: DEN sollt ihr hören. Christus und keinen anderen.

(5)  1546 starb Martin Luther. 1547 besiegte Kaiser Karl V. die evangelischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg, der mit dem Ziel geführt wurde, die katholische Religion wieder in ganz Deutschland durchzusetzen. Auf dem Reichstag in Augsburg 1548 wurde, weil es zu keiner endgültigen Einigung kam, ein Kompromiss-Dokument erarbeitet, das bis zu einer endgültigen Regelung durch ein von allen anerkanntes Konzil gelten sollte. Dieses „Augsburger Interim“ wurde vom Kaiser zum Religionsgesetz erhoben und galt nun für die evangelischen Gebiete.  Es war ein weitgehend katholisches Dokument, das von der Reformation eigentlich nur die Priesterehe und den Laienkelch übrig ließ, dagegen eindeutig die Unterordnung unter die Bischöfe und den Papst forderte und den katholischen Gottesdienstritus wieder einführte.  Und was besonders schlimm war: Auch die Botschaft von der Rechtfertigung des Sünder allein aus Gnaden, allein durch Christus und allein durch den Glauben wurde verwässert.
Auch in Kursachsen und im Erzstift Magdeburg sollte das Interim eingeführt werden, wenn auch in abgemilderter Form. Die Stadt Magdeburg aber widersetzte sich dem Interim gänzlich. Und hier waren dann ab 1549 einige Theologen am Werk, die mit allen theologischen und publizistischen Mitteln gegen das Interim stritten und für die Bewahrung des evangelischen Glaubens und Gottesdienstes eintraten. In diesem Kontext ist dieses Flugblatt zu sehen. Im Text über dem Bild lesen wir: Gehorch der himmelischen Stimm und frag nichts nach dem Interim…. Und auch in dem Gedicht unten wird kräftig gegen das Interim gewettert. Es wird hier als Werk des Papstes hingestellt, mit dem er versucht seine Macht wieder aufzurichten. Dies wird als Angriff auf Christus selbst gewertet. Der Papst wird zum Antichrist. Im Bild wird das so dargestellt, dass der Papst mit den Erzfeinden des Glaubens in eine Reihe gestellt wird. Die drei Köpfe des Ungeheuers, das der auferstandene Christus besiegt hat, sind hier: der Papst, der Teufel in Engelsgestalt und der Türke. Der Türke hat eigentlich in diesem Zusammenhang nichts zu suchen, aber vielleicht steht er einfach für die politischen Mächte, die den christlichen Glauben bekämpfen und wäre dann auch eine Anspielung auf den Kaiser.
Die Botschaft des Bildes war klar: Es geht um nichts Geringeres als die Herrschaft Christi. Wer meinte, mit dem Interim einen Kompromiss eingehen zu können, stellte sich gegen Christus und sein Heilswerk.

Vieles von dem ist für uns heute kaum noch nachzuvollziehen. Ob wirklich der Glaube an Christus selbst auf dem Spiel stand oder ob es nicht doch vor allem um politische Macht ging, auch auf evangelischer Seite? Sicherlich. Und schon damals dürfte es eindeutig zu weit gegangen und ein Fehlurteil gewesen sein, im Papst den Antichristen zu sehen. Dennoch muss man sagen, dass  der hartnäckige Widerstand Magdeburgs gegen den Kaiser und das Interim und die Kompromisslosigkeit, mit der die Magdeburger Theologen um Nikolaus von Amsdorff den evangelischen Glauben verteidigt haben, wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Reformation nicht unterging. Die Theologen der „Cantzley unseres Herrn Jesu Christi“  sahen sich als die eigentlichen Erben Luthers  – wohl mit Recht. In seinem Sinne fochten sie mit Wort und Bild für den Glauben. Daran erinnern wir uns heute dankbar, ohne den gewaltigen historischen Abstand zu verkennen.      

(Matthias Sens)

 
30.10.14

Presseecho zum Potsdamer Stadtschloss

Aus: Märkische Allgemeine – 18.01.2014
Das Stadtschloss am Alten Markt-Neuer Landtag in Potsdams historischer Mitte
Das neue Stadtschloss

Die 88 Abgeordneten der fünf Fraktionen und ihre Mitarbeiter waren bereits kurz vor dem Jahreswechsel in ihr neues Domizil gezogen. Sie saßen 23 Jahre nicht weit weg auf dem Brauhausberg. Das Gebäude, früher eine Reichskriegsschule und später die SED-Bezirksleitung, war in die Jahre gekommen, marode und galt als „Bruchbude“.
Wer sich dem Landtag am nördlichen Teil nähert, erkennt an der Westfassade einen Spruch auf Französisch: „Ceci n'est pas un château“ – „Dies ist kein Schloss“. Dieser golden glänzende, über sieben Meter lange Schriftzug einer Potsdamer Künstlerin ist als Botschaft zu verstehen, die auch Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) gern in seinen Reden betont: „Das ist kein Stadtschloss, sondern ein Landtag in historischer Hülle.“ Das ursprüngliche klassische Schloss, ein Hauptwerk des Friderizianischen Rokoko, war 1945 durch Bomben schwer beschädigt worden. Die Ruinen wurden 1960 auf Beschluss des SED-Politbüros abgerissen.
Die Entstehung des neuen Gebäudes, das der Dresdner Stararchitekt Peter Kulka entworfen hatte, ist mit einer wechselvollen Geschichte verbunden. Seit den Wendetagen 1989/1990 wurde über die Bebauung der städtebaulichen Wunde im Herzen der Stadt breit diskutiert, oft sehr kontrovers. Doch es brauchte bis zu einer Entscheidung der Potsdamer Stadtverordneten und des Landtags viele Jahre. Den Stein ins Rollen brachte der in Potsdam wohnende Fernsehmoderator Günther Jauch. Er spendete für das Fortunaportal, das einstige Eingangstor des Schlosses. Das Portal wurde 2002 für drei Millionen Euro originalgetreu wiederaufgebaut. Doch es dauerte weitere Jahre, bis sich der Landtag 2005 entschloss, nicht das Gebäude auf dem Brauhausberg zu sanieren, sondern ein neues Gebäude in Potsdams Mitte zu bauen.
Anfangs war wegen begrenzter öffentlicher Mittel ein reiner Funktionalbau geplant. Doch dank einer großzügigen Spende von 20 Millionen Euro des Mäzens Hasso Plattner konnte die historische Fassade gebaut werden. Später spendierte er auch noch das originalgetreue Kupferdach. Gebaut wurde das Gebäude vom privaten Baukonzern BAM. Es handelte sich um eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP). Das Land zahlt für das 120 Millionen Euro teure Gebäude 30 Jahre Miete ab.
Der Prunk im Inneren hält sich in Grenzen. Die 400 Büros für die 88 Abgeordneten und ihre Mitarbeiter, die Landtagsverwaltung und den Rechnungshof, der auch mit einzieht, sind preußisch schlicht – durchschnittlich 18 Quadratmeter groß. Gehalten sind sie in den brandenburgischen Landesfarben: roter Teppichboden, weiße Wände, weiße Einbauschränke.
Der Stolz des Architekten Kulka: Der Landtag ist ein Energiesparhaus. Die Heizungen, die im Sommer auch für Kühlung sorgen, stecken in der Deckenverkleidung der Büros. Und wer das Fenster zum Lüften öffnet, schaltet automatisch die Heizung ab.
Die Übergabe des Schlüssels in Form eines symbolischen weißen Transponders aus massivem Holz erfolgte am 10. Oktober 2013 direkt am Eingang, vor dem historisch gehaltenen weißen Treppenhaus. Finanzminister Helmuth Markov (Linke), bisher der Bauherr, reichte Landtagspräsident Fritsch das nachempfundene Funkgerät. In dem Moment war dieser Hausherr über zwei Landtage in Potsdam: das jetzige Haus auf dem Brauhausberg, das Mitte Dezember geräumt wurde, und das neue.
Fritsch erinnerte daran, dass dieses Gebäude nun 30 Jahre halten muss. So lange zahlt das Land eine Miete an die BAM, die wiederum das Gebäude betreibt. „Wenn man ein Gebäude baut, dass man 30 Jahre in Schuss halten muss, gehe ich davon aus, dass man es solide baut“, hofft Fritsch.
Neben dem Parlament zieht auch der Landesrechnungshof in das rund 120 Millionen Euro teure Gebäude mit ein, allerdings erst im Februar. Ausgelegt ist der Bau auch für den Fall, dass nach einer Länderfusion mit Berlin 150 Abgeordnete Platz benötigen. „Schlösser stehen 400, 500, 600 Jahre. Meint ihr nicht, dass wir bis dahin die Länderfusion mit Berlin hinkriegen?”, fragte Fritsch. Rechnungshofpräsident Christoph Weiser hat es da nicht eilig. „Ich bin zuversichtlich, dass ich bis zum Ende meiner Amtszeit nicht ausziehen muss – und die geht bis 2024.”

Aus: Die Welt - 09.12.2013
Ein Schloss, verhunzt von deutschem Provinzialismus
Bürgersinn und Spenden haben den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses ermöglicht. Doch das beschränkte Denken der Planer hat den Bau verschandelt. Eine Lehrstunde in Geschichtsklitterei.
Schlösser sind zu einer demokratischen Bauaufgabe geworden – und das in der von vielen als mustergültig betrachteten deutschen Nachkriegsrepublik. Die Zahl der Fürstensitze, die schon restauriert sind oder sich im Wiederaufbau befinden, lässt sich kaum noch überblicken. Zu den spektakulärsten Beispielen zählen diejenigen Residenzen, von denen kein Stein mehr stand: Braunschweig, Berlin, Frankfurt/Main (Thurn und Taxis).
Als jüngstes Bauwerk dieser Art ist fast unbemerkt das Stadtschloss von Potsdam hinzugekommen. Im Januar nimmt darin der brandenburgische Landtag seine Arbeit auf. Eine demokratische Bauaufgabe? Ohne die Bürger von Potsdam wäre es nie zum Wiederaufbau des einstigen Herrschersitzes von Friedrich dem Großen gekommen. In Potsdam hat sich erwiesen, eines wie breiten Rückhalts in der Bevölkerung sich der Wiederaufbau von versunkenen Schlössern erfreut.
Dabei gab es in Brandenburgs Hauptstadt unendlich viele Hindernisse zu überwinden. Zuerst musste ein im Rohbau schon fertiggestelltes neues Theater beiseitegeräumt werden. Danach bauten die Landespolitiker immer neue Einwände gegen das Vorhaben auf. Doch so unwahrscheinlich es gerade in Potsdam erscheinen musste, einen feudalen Prachtbau wiederauferstehen zu lassen – immerhin hatten sich hier mehr DDR-Karrieristen und SED-Pfründner als irgendwo sonst in der früheren DDR niedergelassen –, setzte sich zuletzt der Bürgerwille durch.
Ein Wunder in der Neubauwüste
Das Schloss Friedrichs, das Ulbricht wie eine Geschwulst aus dem Stadtkörper herausoperiert hatte, steht wieder. Es markiert wieder das Gelenk zwischen Potsdamer Altstadt und Hauptbahnhof, so wie es einst ein "Gelenk" preußisch-deutscher Geschichte und Außenentwicklung war. Mit Recht spricht deshalb der Berliner Kunsthistoriker Joachim Kuke von einem "Mirakel" – denn eine solche Rückkehr eines ganzen Landes zu seiner einstigen Mitte unter ganz anderen Rahmenbedingungen, als sie zur Erbauungszeit bestanden, ist ja fast eine Utopie.
Was fasziniert die Bürger des 21. Jahrhunderts so sehr daran, dass sie dieses Mirakel erzwingen wollen und dafür auch jetzt noch auf die Straße gehen? Es ist die in der Politik völlig unterschätzte Kategorie der Identität. Potsdam ohne sein Stadtschloss, in dem die Entscheidungen für die Aufnahme der Hugenotten in Preußen und für die Schlesischen Kriege (also für den Aufstieg Preußens zu einer politikentscheidenden europäischen Großmacht) fielen, das wäre bald nur noch eine Ansammlung einiger schöner, beziehungslos verstreuter Gebäude in einer gestaltlosen Neubauwüste gewesen – schick zwar, aber zugleich immer etwas skurril.
Mit dem Verlust ihres geschichtlichen Ranges drohte die Stadt zum bedeutungslosen Wurmfortsatz Berlins zu werden. Erst mit dem Schloss kehrt so etwas wie die historische Würde in ihre Mauern zurück. Was gar nicht mehr erfahrbar war, dass es einen Dreh- und Angelpunkt der Stadtstruktur gab, der den Palais' und Villen erst ihren Stellenwert zuwies, das stellt sich jetzt wie selbstverständlich wieder ein.
Kein Projekt für Nostalgiker
Es ist immer die Mitte, das Herz, das Gehirn, das den Gliedern ihre Bestimmung verleiht. In der Architektur gilt das ebenso wie in der Anatomie. Wenn von der Potsdamer Bürgerbewegung für das Schloss gesprochen wird, dann ist es nicht nur eine, sondern es sind gleich mehrere Bürgerinitiativen, die mit Sachkenntnis, historischen Studien, Demonstrationen und Veranstaltungen in ungeheurer Ausdauer und Zähigkeit fast um jeden Stein gekämpft haben.
An der Spitze standen immer schon der "Verein Potsdamer Stadtschloß" und "Mitteschön". Ihre prominentesten Vorkämpfer sind der Fernsehmoderator Günther Jauch und der Unternehmer Hasso Plattner. Jauch ist es, dem der Wiederaufbau des Fortunaportals und damit der Startschuss zum Wiederaufbau des ganzen Schlosses zu danken ist. Plattner schenkte der Stadt und dem Land zweistellige Millionenbeträge, damit die Fassaden und das Kupferdach realisiert werden konnten. Allein das Engagement dieser beiden Pioniere des Wiederaufbaus zeigt, dass das Schloßprojekt nicht von Nostalgikern und Reaktionären, sondern von Persönlichkeiten getragen ist, deren Namen für gesellschaftlichen und technischen Fortschritt stehen.
Wie aber sieht ein Schloss aus, das für ganz andere Zwecke als der Ursprungsbau errichtet wird? Das war die Frage, vor die sich der Architekt Peter Kulka, Dresden/Köln, gestellt sah. Kulka, moderner, minimalistischer Baukünstler mit beeindruckender Werkliste, hat sich, vielleicht ganz gegen ursprüngliche Intentionen, zunehmend als ein Mittler zwischen "alter" und "neuer" Architektur profiliert. Allein in seiner Vaterstadt Dresden steht er für zwei Großprojekte, die Sanierung des Deutschen Hygienemuseums von Wilhelm Kreis und den Wiederaufbau des Residenzschlosses der Wettiner. Dabei hat Kulka nie einen Zweifel an seiner Präferenz für das Neue gelassen. Dass er in Architektenwettbewerben zuletzt den Zuschlag für Potsdam erhielt, wurde von manchen als Ironie, gar als Todesstoß für das Projekt gesehen.
Das makellose Weiß der Moderne
Wie hat er die Aufgabe bewältigt? Er hat die Hülle, die von Plattner bezahlten Fassaden und Kupferdächer, mit komplett modernem Inhalt gefüllt. Kaum hat man die Außenmauern durchschritten, steht man in glatten Räumen von makellosem Weiß. Nur der Bodenbelag aus weißem griechischem Marmor (der ursprünglich verwandte schlesische war nicht mehr zu bekommen) hält die Erinnerung an den Adel des versunkenen Originals noch wach. Es ist das Weiß der Moderne, aber auch das Weiß des Geschichtsverlustes, der Preisgabe und Reinigung von Geschichte, der Sehnsucht nach unbefleckter Herkunft.
Die Klarheit, Reinheit, Präzision und Schnörkellosigkeit dieses Bekenntnisses berührt. Sie ist ein Zeugnis unserer Zeit. Sie schreit den Widerspruch heraus, in dem sich viele Deutsche zur Vergangenheit ihres Landes sehen. Aber sie tut auch dem Ursprungsbau Unrecht. Eine einzige geschichtliche Überlieferung kann das belegen.
In seinem Arbeitszimmer hatte Friedrich der Große eigens drei Spiegel anbringen lassen, in denen er von seinem Schreibtisch aus die Bittschriftenlinde sehen konnte. Dort stellten sich Landeskinder auf, die dem König ein Gesuch antragen wollten. Martin Hürlimann, Verfasser einer Potsdam-Monographie von 1933, schreibt: "Sah sie der König hier stehen, schickte er gemeiniglich sogleich hinab, um ihnen die Bittschriften abnehmen zu lassen. Dieser Weg, Wünsche und Klagen vor den König zu bringen, wurde aber nicht bloß von den Bewohnern der Stadt und ihrer Umgebung gewählt, aus den fernsten Teilen des Reiches sah man unter dieser Linde die Bittenden in ihrer heimatlichen Tracht stehen, hoffend und fürchtend ihre Blicke zu den Fenstern des königlichen Arbeitszimmers hinauf gerichtet."
Verbaute Erinnerung
Heute würde man Friedrichs Beflissenheit, sich Petitionen ohne Zeitverzug vorlegen zu lassen, Bürgernähe nennen. Allein, die aseptische Reinigung und Sterilisation des Neubaus von allen Spuren einstiger Nutzung hat es unmöglich gemacht, auch nur diesen einzigen Raum als Zeugen einer Gesinnung, die demokratischem Denken vorausging, wiedererstehen zu lassen. Das mag für eine Zeit, in der nicht mehr ein einzelnes Gesuch, sondern nur noch Demonstrationen von Hunderten und Tausenden Bittstellern hoffen dürfen, der Gnade einer Beachtung durch die Volksvertreter teilhaftig zu werden, zwar angemessen sein. Aber es ist zugleich bildungsfern und geschichtsblind.
Die Verantwortung dafür tragen allein die Abgeordneten von Brandenburg und Potsdam, denen beim Wiederaufbau des Schlosses das kleinste Zugeständnis für originale Gestaltung von den Bürgern wie ein Almosen abgerungen werden musste. Sie machten es dem Architekten zur Auflage, in dem Bauwerk nicht nur den Parlamentssaal, sondern gleich auch noch die Arbeitszimmer für sämtliche brandenburgischen und – woran man damals noch glaubte – berlinischen Abgeordneten unterzubringen. Das führte zu unsäglichen baulichen Kompromissen, die dem Kenner den Anblick des Gebäudes vergällen.
So wurde ein zusätzliches Geschoss ins Dach gestopft, so wurden alle drei Flügel aufgeweitet, so wurden die Kutschdurchfahrten, durch die einst die Bürger spazierten, zugebaut, so wurden die beiden Seitenflügel durch den aufgequollenen Haupttrakt, den Corps de Logis, um volle drei Achsen verkürzt. Zugleich wurde die Möglichkeit, auch nur ein einziges Schlossgemach als Erinnerungsort originalgetreu zu rekonstruieren, im buchstäblichen Sinne verbaut.
Zurück in die Jetztzeit
Natürlich kam diese Aufsprengung des Gebäudes nach allen Seiten dem Grundanliegen Kulkas entgegen, der historischen Hülle ein gänzlich andersartiges Inneres zu geben, den Besucher wie durch einen Schleier gleich wieder hinaus in die Jetztzeit treten zu lassen. Die sieht ganz und gar nicht "schlossartig" aus, auch wenn vom alten goldprunkenden barocken Treppenhaus zumindest noch eine entfernte Anmutung – Kulka: "als Übergangsraum" – vermittelt wird.
Die Eingangsportale sind als viereckige Schiebeglastüren in die Fassade geschnitten, die Foyers sind weitläufig, aber quetschen sich unter niedrige Decken, die inneren Treppenhäuser türmen sich als scharfkantige, raumgreifende Skulpturen unter Glasdächern, der Plenarsaal ist eine flach gemuldete weiße Schüssel mit weißem (statt rotem) Adler, blutrotem Gestühl und zwei Emporen.
In allen Details steht der Bau unter dem Diktat einer ausgefeilten modernen Ästhetik. Der Architekt sagt: Noch keine Aufgabe habe ihn soviel Nerven gekostet, selbst für die Kuppel über den Abgeordnetensitzen habe er kämpfen müssen. Man glaubt es ihm. Seine Architektur, das hat er vielfach bewiesen, hat dort, wo sie sich frei entfalten konnte, durchaus den Zug ins Große. Hier aber ist ihm Provinzialität durch ein absurdes Raumprogramm regelrecht verordnet worden. Dass er ihr noch soviel Glanz abringen konnte, ist sein Verdienst.
Fresswürfel der Dampfschiffahrtsgesellschaft
Friedrich, der Bauherr dieses Schlosses, hatte es seinem Architekten Wenzeslaus von Knobelsdorff anbefohlen, das äußere des Hauses aufklärerisch-schlicht, das Innere jedoch in der Prachtentfaltung des Rokoko zu gestalten. Dieses Verhältnis wurde von Politikern unserer Zeit, denen Kunst- und Geschichtssinn ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt, auf den Kopf gestellt.
Und die Geschichtsklitterung geht weiter. Von Friedrich ist bekannt, mit welcher Hingabe und fast schon romantischen Empfindsamkeit er sich der Ausgestaltung seiner Parks und Anlagen widmete. Seine Nachfolger von heute in den für sie viel zu großen Schuhen setzen dagegen ihren Ehrgeiz daran, nun auch noch den zum Schloss gehörigen Lustgarten kaputtzumachen, ehe er überhaupt richtig wiedererstehen kann. Das triste Hochhaus, das die DDR mitten in ihn hineingewuchtet hatte, um jede Erinnerung an fürstliche Kultur auszulöschen, bleibt nicht nur stehen, sondern wird auch noch durch einen Verkaufsstand mit Fresswürfel der Dampfschiffahrtsgesellschaft komplettiert, der die Blickachse zwischen Neptunbrunnen und Schloss verbaut.
Auf so viel ästhetische und politische Instinktlosigkeit muss man erstmal kommen – gegenüber einer Bürgerschaft, die Millionen aufgebracht hat und auch jetzt noch Tag für Tag Spargroschen und ganze Vermögen auf Spendenkonten einzahlt, weil sie nach dem Schloss auch noch den alten Figurenschmuck wiederhaben will. Weil die beherzten Bürger nie aufgegeben haben und auch jetzt noch dazu stehen, deshalb ist das neuerstandene Schloss zu Potsdam tatsächlich ein Mirakel – eines, das nicht nur stolz machen kann, sondern auch beschämt.