Exklusiv bei www.ulrichskirche.de: Die komplette Rede von Alt-OB Dr. Willi Polte vom 12.01.2018

Die Magdeburger Volksstimme berichtete:

Dr. Willi Polte - ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, SPD-Mitglied und Mitglied im Kuratorium Ulrichskirche e.V.:

Rede und Dankesworte anlässlich des Empfanges im Magdeburger Rathaus am 12. Januar 2018 anlässlich seines 80. Geburtstages

„Das Leben eines Menschen lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden, sagt der dänische Philosoph Sören Kirkegaard. Ich erlaube mir, die heutige Gelegenheit zu nutzen, auf meine nunmehr  80 Lebensjahre zurück zu blicken, und über mein Tun und mein Nichttun zu reflektieren. Zu meinen 80-jährigen Leben gehören zwei radikale gesellschaftliche Umbrüche und Neuanfänge,

- der nach dem Krieg von 1945 und
- der nach unserer Friedlichen Revolution von 1989/1990.

Das hier heute dieser ehrenvolle Empfang stattfindet, hat allein mit meinem Tun und Engagement in der Zeit des Aufbruchs und Umbruchs von 1989/1990 und den dann folgenden Jahren zu tun. Warum aber habe ich mich mit heißen Herzen und großer Leidenschaft, und nicht ohne Risiko, letztlich mit relativ wenigen Mitstreitern, auf den Weg gemacht, unsere enge kleinbürgerliche Welt DDR in Frage zu stellen? In 20 Jahren wird es niemanden mehr geben, der noch vor dem II. Weltkrieg geboren wurde und als heran wachsendes Kind Krieg und Nachkriegszeit intensiv erlebt hat. Meine Worte richte ich deshalb vor allem an die Nachgeborenen.

Die Welt von gestern muss man aber kennen, um beim politischen Handeln von heute nicht einem verklärten Trugbild zu erliegen. Der 1939 von Nazi-Deutschland begonnene Krieg dominierte durch seine Eigengesetzlichkeit den Alltag jeder Familie. So sind auch all meine Erinnerungen als Vorschulkind und ab 1944 als Schulkind vor allem durch das Kriegsgeschehen und die unmittelbare Nachkriegszeit bestimmt worden. Die damals geführten Gespräche und Dispute der Erwachsenen waren einerseits  spannend und interessant, aber auch irgendwie irritierend und deprimierend für mich. Da war der Bauer Wilhelm Schütze in meinem Dorf, den die Nazis ins KZ verbracht hatten, ich merkte natürlich, KZ war etwas Bedrohliches. Der Grund: er hatte die als „Untermenschen“ bezeichneten und bei ihm in der Landwirtschaft beschäftigten Zwangsarbeiter zu menschlich behandelt. Ein Geschäftsfreund meines Vaters, Franz Herbst aus Burg, hatte zu laut über „den Strolch und Verbrecher Hitler“ gesprochen, wurde denunziert und schließlich in der Gestapo-Haft erschlagen. Am 7.Januar 1944 fiel mit 19 Jahren mein Cousin Kurt Wulfänger auf dem   so genannten „ Feld der Ehre“. Zwei Monate später ereilte seinem Vater, meinen Onkel Otto, das gleiche Schicksal, der Sohn in Russland der Vater in Belgien. Am 6. September 1944 fand mein Cousin Werner Haberland den sogenannten „Heldentod“ in Lettland. Das gleiche Schicksal ereilte die Väter von Spielkameraden aus der Nachbarschaft und bei der Einschulungsfeier 1944 wurden die meisten ABC-Schützen nur von ihren Müttern und Großeltern begleitet, denn die Väter waren im Krieg. Da waren aber auch die Soldaten, die auf Heimaturlaub kamen und über ihre schrecklichen Erlebnisse an der Front erzählten. Heute würde ich sagen: sie wollten sich ein Stück von der Last  und den  Bedrückungen eines Soldatenlebens an der Front befreien, gleichsam sich die schlimmen Erlebnisse von der Seele reden. Die verstärkten Bombenangriffe der Alliierten auf Deutschland führten zu Einquartierungen von Familien in  meinem Heimatdorf, sie kamen aus dem Rheinland, aus Berlin und aus Magdeburg. Die Bomben verschonten aber auch meinen Heimatort nicht.  Tragischerweise fiel eine Bombe genau auf das Haus in dem die 12-jährige Schülerin Evelin Voigt und ihre Mutter aus Berlin Zuflucht gesucht hatten und schließlich hier den Tod fanden, dem sie in Berlin entgehen wollten. Als am Abend des 16. Januar 1945 über die so genannten Feindsender „Beromünster bzw. BBC“ (übrigens wurde über Kopf und Radio eine Wolldecke gelegt, damit ein möglicher Lauscher am Fenster keine Anzeige machen konnte, denn so genannte Feindsender zu hören war streng verboten) ein vermutlicher Angriff auf Magdeburg  angekündigt wurde, zog die Familie in den extra im Garten gebauten Bunker und wartete ab. Nach einer Weile forderte mein Vater mein Mutter auf, doch mal aus dem Bunker heraus zu kommen. Also hüllte sie mich in eine Decke, nahm mich auf den Arm und kletterte wieder aus dem Bunker heraus. Mein Vater sagte erregt: „ Schaut doch mal am Himmel in Richtung Hohenwarthe: Und da sah man dann die so genannten Weihnachtsbäume über das Luftlinie gerechnet ca. 10 km  entfernte Magdeburg leuchten. Die Bomberflotte hatten die Leuchtkörper über die Stadt abgeworfen um sie zu erhellen und dann die Bombenlast zielgenauer abwerfen zu können. Dann folgten die dumpfen Explosionen der Bomben, die tausenden Mensch den Tod brachten und die Stadt nachhaltig zerstörten. Immer wenn ich am 16. Januar anlässlich der Gedenkstunde an die Zerstörung Magdeburgs auf dem Westfriedhof bin, steigt dieses Bild in mir auf. Da war es wahrlich ein Befreiung, als der Krieg endlich zu Ende war. Spürbar atmeten die Menschen auf und  es hieß: Nie wieder Krieg ! Nie wieder  Diktatur ! Natürlich hatte ich als heranwachsendes Kind nicht alles verstanden, was die Erwachsenen strittig oder einvernehmlich miteinander besprochen haben. Aber eines hatte sich tief  in meine kindliche Seele eingebrannt:

- Krieg ist etwas ganz  g a n z  Schlimmes
- Diktatur ist etwas ganz  g a n z  Böses

Und nun die große Hoffnung auf einen grundlegenden gesellschaftlichen Neubeginn. Den gab es auch, allerdings sehr unterschiedlich je nach dem in welcher Besatzungszone man lebte. Für den Bereich der „Sowjetisch-Besetzten-Zone (SBZ)“ war die Richtung der Entwicklung von vorn herein klar. Die so genannte „Gruppe  Ulbricht“ , aus dem sowjetischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt, ging unter dem Schutz der sowjetischen Besatzungsmacht umgehend ans Werk, eine  s t a l i n i s t i s c h e   D i k t a t u r zu errichten. Schon die ersten Wahlen zeigten aber, dass dieses Ziel nicht  über den Weg von freien Wahlen zu erreichen war. So wurde die  Z w a n g s v e r e i n i g u n g  von SPD  und KPD  in der Sowjetischen Besatzungszone betrieben. Der SPD-Vorsitzende Kurt Schuhmacher lehnte diese Vereinigung mit der Begründung ab: die SPD soll nur als „Blutspender“  für die KPD dienen, um ihren absoluten Machtanspruch durchzusetzen. Genau so kam es dann auch. Mit dem  angestrebten Ziel, die SED zu einer Partei neuen T y p u s zu  entwickeln, wurden dann viele ehemaligen SPD - Mitglieder wegen ihrer bürgerlichen Herkunft und unter dem Vorwurf des  „S o z i a l d e m o k r a t i s m u s“ aus der zwangsvereinigten SED rausgeschmissen. Noch gut in Erinnerung habe ich die bittere Klage unseres Friseurs in Niegripp, Robert Gröpler, im Ohr, die er in seinen Salon über seinen Parteirausschmiss führte, weil er als ein Vertreter des Bürgertums galt. Eine Partei neuen Typus zu schaffen lautete die postulierte Aufgabe, kommunistische Kaderpartei im leninschen Sinne, Avantgarde des Proletariats, Demokratischer Zentralismus. Ziel: Diktatur des Proletariats. Später wurden alle anderen neu bzw. wieder gegründeten Parteien gleich geschaltet (CDU und LDPD, später DBD und NDPD). Ihre Existenz hatte zur Voraussetzung die Anerkennung der „führenden  Rolle der SED“, und so blieb es bis zum Ende der DDR. Schon damals setzte in den endvierziger Jahren ein steter Strom von Menschen ein, die gewiss aus sehr unterschiedlichen Gründen in den Westen gingen. Warum? Weil sie aus politischen Gründen verfolgt wurden, weil ihnen Bildungswege versperrt wurden, denn das politisch vorgegebenen Ziel lautete: „Brechen des bürgerlichen Bildungsmonopols“ (sowohl meine Schwester als auch ich haben das erfahren müssen) - weil sie von Haus und Hof quasi vertrieben wurden im Zuge der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft- weil ihre Betriebe und Unternehmen auf unterschiedlichen Wegen enteignet wurden. - weil sie sich politisch nicht entmündigen lassen wollten- weil ihnen Freiheits- und Bürgerechte verwehrt wurden und viele andere Gründe. Drei Millionen Menschen sollen bis zum Mauerbau 1961 vom Osten in den Westen  gegangen sein. Welch ein Verlust an „H u m a n  -  K a p i t a l "? Der Arbeiter-Aufstand vom 17. Juni 1953 und der Ungarn-Aufstand von 1956 dokumentierten, wie man in einer Diktatur gesellschaftliche Probleme löst: durch  P a n z e r  ! Wie kann man nun aber die neue Version einer „D i k t a t u r“ in einem Teil Deutschlands überwinden, so stellte sich mir die Frage? Durch mein früh gewecktes politisches Interesse gab es für mich nur einen denkbaren Weg: „die W i e d e r v e r e i n i g u n g Deutschlands“. Aber der alte „Herr am Rhein“ hatte uns diesbezüglich nicht auf dem Schirm. Westbindung, NATO-Mitgliedschaft, Europäische Gemeinschaft waren die aktuellen politischen Ziele. Das die Oestereicher 1956 für den Preis der immer währenden Neutralität ihre Einheit und volle Souveränität erhielten, war für die Regierenden in Bonn kein Grund sich wenigstens ansatzweise um eine vergleichbare Lösung für Deutschland zu bemühen. Als jugendlicher Heißsporn ärgerte mich dies sehr, ging doch die Teilung vor allen zu Lasten der Deutschen in der DDR. Als dann die SPD  in der Bundesrepublik1959 den Deutschplan der SPD  zur Deutschen Einheit vorlegte, keimte bei mir neue Hoffnung. Endlich eine politische Kraft, die sich über die „nationale Frage“ Gedanken machte. Aber als dann Franz-Josef Strauß meinte: „den Plan müsste man der SPD um die Ohren hauen“, da musste ich als durch und durch politischer Mensch  irgendwie handeln. Eine neue Partei zu gründen, z.B. mit dem Namen:“Gesamtdeutsche Volkspartei“ war sicher nicht der Königsweg, zumal eine Zulassung in der DDR aussichtslos war. Die gab es ja schon in der Bundesrepublik, gegründet durch den ehemaligen CDU-Innenminister Gustav Heinemann, der aus Protest gegen die Wiederbewaffnung und die damit verbundene Vertiefung der deutschen Spaltung von seinem Ministeramt als Innenminister zurück trat. Als junger politischer Heißsporn wollte ich nun wenigstens die politischen Kräfte stärken, die die „nationale Frage der Einheit“ auf der Tagesordnung hatten. So machte ich mich am 18. August 1960 auf den Weg nach West-Berlin, um dort im OST-Büro der SPD eine Mitgliedschaft in der SPD zu beantragen. Natürlich war ich klug genug keinen einzigen Menschen davon zu erzählen, galt doch das SPD-Ostbüro in den Augen der DDR- Regierenden als „Nachrichten-Zentrale des amerikanischen CIA“. Nach Beendigung meines Studiums in Dresden wollte ich in Berlin-Ost eine berufliche Tätigkeit aufnehmen und dann in der Partei mitarbeiten. Der Vier- Mächte-Status Berlins ermöglichte nämlich die Existenz der SPD auch in Ost-Berlin. Mit dem Mauerbau ein Jahr später, am 13. August 1961, folgten 29 Jahre, die im Grundsatz immer wieder bestätigten, die DDR und der ganze Ostblock sind nicht reformwillig, sind nicht reformfähig. Mit der totalen Abschottung in Richtung Westen wurde den DDR-Bewohnern sehr schnell bewusst: wir sind auf lange Zeit fest eingeschlossen! Die Menschen richteten sich ein , rückten stärker zusammen, auch um sich gegenseitig bei Versorgungsdefiziten zu helfen.Soziologen sprechen von der „Herausbildung einer Nischengesellschaft“. Kennzeichen dafür sind: Rückzug ins Private, Arrangieren mit den obwaltenden Verhältnissen, eine Passivität gegenüber dem Gemeinwesen und ein verkümmertes freiwilliges gesellschaftliches Engagement, der so wichtige Bürgersinn und die Identifikation der Bürger mit ihrer Kommune gingen weitgehend verloren. Versorgungs- und obrigkeitsstaatliches Denken bestimmten zunehmend den Alltag. Es bestätigte sich die Erkenntnis, Diktaturen schaffen sich den  u n m ü n d i g e n  Bürger. Trotzdem wollte ich die Hoffnung auf eine Überwindung der Spaltung Deutschlands noch nicht aufgeben, und vielleicht könnte der  P r a g e r  Frühling  1968  ein indirekter Schritt in die richtige Richtung sein?. Die Forderungen des  „Prager Frühlings“ lauteten: Liberalisierung und Demokratisierung der Gesellschaft - Sozialismus mit menschlichem Antlitz! Was war aber die Antwort? Sie wissen es:  P a n z e r ! Irgendwie musste ich meinen Frust abbauen und trat demonstrativ aus der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft aus. Und dann noch die Freveltat vor 50 Jahren in Leipzig: die Sprengung der Universitätskirche (30.5.1968) aus rein ideologischen Gründen. Wir haben das unmittelbar erlebt, denn damals waren meine Frau und ich noch in Leipzig ansässig. Meine dringenden Schreiben an Volkskammer-Präsident Joh. Dieckmann und dem thüringischen Bischof Moritz Mitzenheim (dem man übrigens einen guten Draht zu Walter Ulbricht nachsagte), konnten diese barbarische Tat nicht verhindern, ebenso wenig wie unsere Demonstrationen auf dem damaligen Karl-Marx-Platz. Für mich liegt hier auch der Grund, dass ich schon im November 1990 die Beschlussvorlage zum „Wiederaufbau der Johanniskirche“ dem Stadtrat zu leitete, die er dann auch mit großer Mehrheit verabschiedete. Aus diesem Geiste heraus wünsche ich mir zu meinem 90. Geburtstag!!!, dass eine der ältesten Bibliotheken Deutschlands, und die älteste Bibliothek in den neuen Bundesländer, nämlich unsere 1525 gegründete Stadtbibliothek eine ihrer historischen Bedeutung würdige Heimstaat in der wiedererrichteten geschichtlich so bedeutsamen Ulrichskirche gefunden hat. Die Kraft zu solchem Tun erwächst aus der Kenntnis der Geschichte und der Identifikation der Bürger mit ihrem unmittelbaren urbanen Lebensbereich. Das erhoffe ich!

Mein Wunsch nach einer rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaftsstruktur innerhalb der DDR mit der letztendlichen Möglichkeit, eines Tages den Weg in die deutsche Einheit beschreiten zu können, blieb für mich immer lebendig . So knüpfte ich Erwartungen an die Anfang der 70er Jahre durch Willy Brandt, Egon Bahr und Walter Scheel eingeleitete Ost- und Entspannungspolitik mit dem Ziel „Wandel durch Annäherung“. Sie ermöglichte dann auch den „Helsinki-Prozess“, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Besonders der  so genannte Korb III der 1975 vereinbarten Schlussakte der Konferenz bot den Menschen in den Ost-Blockstaaten die Rechtfertigung für ein vom Staat unabhängiges und nicht kontrolliertes bürgerschaftliches Engagement. Die Rechte konnten zwar nicht eingeklagt werden, aber man konnte sich argumentativ darauf berufen. Dies ermunterte verstärkt Menschen in der DDR zu Initiativen, die wirtschaftlichen und ökologischen Defizite und den insgesamt erkennbaren Reformbedarf zu thematisieren. Über all die Jahrzehnte bot sich mir unter dem Dach der Kirche ein gewisser Freiraum für Begegnungen mit Menschen, gelegentlich auch aus Westdeutschland und anderen Ländern, gegenüber denen man ein Grundvertrauen hatte und mit denen man weitgehend unbefangen über Gott und die Welt reden konnte. Nicht zuletzt auch aus diesen christlichen Kreisen heraus entwickelte sich eine Bürgerrechtsbewegung, die in späteren Jahren auf die „Ökumenische Bewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ traf. Die 1980 in Polen gegründete Gewerkschaft „Solidarnosc“ ermutigte nachdrücklich die sich entwickelnde Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Es war insofern kein Zufall, dass die verschiedenen bürgerbewegten Gruppierungen vor allem aus dem Raum und im Raum der Kirchen zum Kristallisationspunkt für den Aufbruch und Umbruch von 1989/1990 wurden. Die weitere Geschichte ist Ihnen ja allen noch sehr vertraut. Bis heute empfinde ich als deutscher P a t r i o t, jeden Tag aufs  neue  eine elementare F r e u d e, die Deutsche Einheit noch erlebt zu haben und dass ich sie ein Stück mit gestalten konnte. Als Resümee meines politischen Lebens habe ich die Erwartung an unser Land und unsere Mitbürger, dass der französische Dichter Anatol France n i c h t recht hat mit seiner Aussage: „Nichts ist so sehr für die gute alte Zeit verantwortlich, wie das schlechte Gedächtnis“, sondern dass aus der Kenntnis unserer teilweise problematischen und schuldbeladenen deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert das heutige politische Handeln durch zukunftsgerechte, demokratisch legitimierte und am Gemeinwohl orientierte Entscheidungen bestimmt wird. Mein Wunsch ist aber auch, dass es den heute lebenden Zeitgenossen immer bewusst ist: Das heutige Deutschland ist das beste Deutschland, das es je in seiner Geschichte gab, und wir sind die privilegierten Generationen:

- Frieden mit allen Ländern, nur noch Freunde
- Freiheits- und Bürgerrechte, wie noch nie in der deutschen Geschichte
- höchste durchschnittliche Lebenserwartung
- höchster Lebensstandard
- hohes Ansehen in der Welt

Ich höre aber auch die reflexartige Reaktion: „… ja, aber….ja dieses  …ja, aber…“  ist eine permanente Herausforderung und Aufgabe der Politik aller Ebenen. Dabei muss aber gelten: ohne Leistungsprinzip können wir uns nichts leisten. Und wer dann an die Schwachen auch in unserer Gesellschaft denkt, den möchte ich aber auch gern auf die Erkenntnis des langjährig weltweit tätigen Fernsehkorrespondenten Rolf-Dieter Krause hinweisen:

„Wenn ich arm wäre, würde ich am liebsten in Deutschland leben“.

Wenn es aber gut  b l e i b e n  soll, müssen wir uns den immer wieder neuen Herausforderungen stellen, und die Mühen der Ebene auf uns nehmen. Die beste Regierungsform, die wir dafür erreicht haben, auch 1989/1990 ein bisschen erkämpft haben, ist der  „freiheitliche demokratische Rechtsstaat“. Demokratie ist aber kein Zu s t a n d sondern ein ständiger Prozess. Diesen Prozess zu gestalten bedarf es vieler vieler  D e m o k r a t e n. Unser demokratischen Rechtsstaat wird nur dann von Dauer sein, wenn jeder Bürger bewusst seinen Beitrag als Staatsbürger leistet. Antidemokraten sind immer wieder am Werk und versprechen die einfachen Lösungen für eine komplizierte Welt, aber einfache Lösungswege gibt es in einen demokratisch verfassten Gemeinwesen in der Regel nicht. Bleiben wir uns der Tatsache bewusst: die Geschichte pflegt ihre Angebote nicht zu wiederholen."