Leipzig macht vor, wie es auch anders gehen kann: Das Paulinum - ein gelungener Kompromiss!

Es ist eine Kirche! Von Björn Meine in der Leipziger Volkszeitung:  

Es ist der nächste große Schritt für die prosperierende Stadt, ein weiteres bedeutendes Bauwerk für die City. Es ist das edle Möbelstück, das in der guten Stube irgendwie noch gefehlt hat. Leipzigs Universität kann im Dezember ein neues und architektonisch sehr gelungenes Gebäude in Betrieb nehmen. Gesternwurde schon mal Bauabschluss gefeiert im „Paulinum: Aula – Universitätskirche St. Pauli“, so heißt der Komplex offiziell. Der Kompromiss-Begriff steht in seiner ganzen Albernheit für einen teils absurden Streit, der in den vergangenen Jahren geführt wurde. Ein Streit, der nicht unüblich ist für Großprojekte in Leipzig. Bei vielen gab es Debatten: über den Sinn der Investition selbst, über die Gestaltung. Aber wenn es fertig war, dann waren alle überzeugt, dass etwas Gutes entstanden ist. Das war nach dem Umbau des Hauptbahnhofs so und beim City-Tunnel. Sogar über die neue Propsteikirche vis-à-vis des Neues Rathauses hört man nichts Böses mehr; und was gab es da für Debatten Kleiner Unterschied: Beim neuen Bau für Leipzigs Universität am Augustusplatz entzündete sich der Streit mit Blick auf den realisierten Entwurf nie so richtig am Äußeren und noch nicht einmal daran, dass sich die Kosten auf inzwischen 117,3 Millionen Euro verdoppelt haben. Es gab allenfalls Kritik, weil das Gebäude mit acht Jahren Verspätung fertig wird. Vor allem aber ging es um Petitessen: Heißt es Kirche oder Paulinum, soll die Kanzel rein oder nicht? Die darüber teils erbittert geführten Gefechte haben nie den Nerv einer großen Bürgerschaft getroffen. Jetzt, wo alles fast fertig ist, heben solche Diskussionen erst recht keinen mehr an. Schon bald wird Normalität einkehren. Die Universität wird den neuen Raum mit Leben füllen, und es werden Gottesdienste darin gefeiert. Auf dem Augustusplatz werden weiter Studenten sitzen und ihren Döner essen – vor der neuen Universitätskirche: Wer das Gebäude von außen betrachtet, wer drinnen die Orgelempore erblickt, unter den großen Säulen und Bögen oder vor dem Altarraum steht, wer die große Jehmlich-Orgel spielen hört, der befindet sich in einer Kirche. Die Bezüge zur 1968 gesprengten Paulinerkirche sind gewollt, sie sind auch richtig, und sie sind nicht zu übersehen. Hier ist also eine Kirche entstanden, die die Bürger vielleicht Kirche nennen werden. Oder Paulinum. Oder irgendwie anders. Es spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass es einen neuen, einen repräsentativen Raum gibt, der der Universität und der Stadt guttun wird. Ein sakraler Raum, ein Ort für den Glauben, aber genauso ein Ort der freien Wissenschaft. Auch mit Sprengung der Paulinerkirche sei es dem DDR-Regime nicht gelungen, Glaube und Wissenschaft dauerhaft zu trennen, wie Ministerpräsident Stanislaw Tillich gestern bemerkte. City-Tunnel, neue Propsteikirche, Kongreßhalle, neue Unikirche: Leipzig dreht sich, die Stadt wächst und gedeiht, die Einwohnerzahlen steigen (etwas verlangsamt) immer noch. Es darf so weitergehen?...

Kommentar: Auch in Leipzig wurde viel diskutiert und gerungen um den Wiederaufbau der Universitätskirche. Herausgekommen ist ein gelungener Kompromiss. Die Stadt prosperiert. In Magdeburg dagegen vermisst man diese Fähigkeit zum Kompromiss. Stattdessen nutzen SPD und LINKE ihre politischen Mehrheiten, um selbst die kleinste Erinnerungsarchitektur an die Ulrichskirche niederzuschmettern. Es wird Zeit für eine politische Wende, damit die Stadt nicht im innerdeutschen Vergleich weiter zurückfällt. Magdeburger, schaut auf diese Stadt Leipzig!