Häufig gestellte Fragen/ Frequently Asked Questions

Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. freut sich über das große Interesse am Vorhaben „Wiederaufbau der Magdeburger Ulrichskirche“. Zu häufig gestellten Fragen möchten wir hier gern offiziell Stellung nehmen. Diese Fragensammlung gibt es hier auch zum download im pdf-Format als einzelnes DIN-A4-Blatt zum Ausdrucken und Verteilen: Download FAQs

Frage Nr. 1: Warum wollen Sie gerade jetzt die Ulrichskirche wieder aufbauen, haben wir in Zeiten der Krise nicht andere Probleme?

Es ist ein Fakt, dass die Wirtschaftskrise und deren Folgen politisches Handeln erfordern und Sparzwänge auferlegen. Nichtsdestotrotz ist ein solches, energisches Handeln gerade jetzt auch für die Magdeburger Ulrichskirche erforderlich. Im Moment ist es noch möglich, die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft zu bauen. Noch leben die Menschen, die die Ulrichskirche vor ihrer Zerstörung kannten und uns aus eigener Erfahrung berichten können. Noch leben die Menschen, die die teilzerstörte Ulrichskirche kennen, ihre Türme bestiegen haben und sich an ihrem Glockenklang bis zum Schicksalstag, dem 5. April 1956 erfreut haben. Den gut gemeinten Ratschlag, den Wiederaufbau der Ulrichskirche doch zukünftigen Generationen zu überlassen, können wir daher nicht befolgen. Unserer Meinung nach bedarf es einer historischen Kontinuität, eines Anknüpfens der Generationen. Hat es nach der Zerstörung 1631 nur 17 Jahre gedauert, bis die Ulrichskirche 1648 wiedererrichtet war, sind nach ihrer Zerstörung 1956 nun bereits 54 Jahre vergangen. Wir sehen es daher auch als eine vorrangige Aufgabe an, die Zeitzeugen zu befragen und dies zu dokumentieren, damit dieses Wissen für die Nachwelt erhalten bleibt.

Frage Nr. 2: Hat die evangelische Kirche überhaupt Interesse an der Ulrichskirche, wird sie denn gebraucht?

Vom Gründungstag an arbeiten im Kuratorium Ulrichskirche e.V. bedeutende Persönlichkeiten aus den Reihen der Evangelischen Kirche mit. Oberkirchenrat Dr. Christian Frühwald hat bei der Gründung und Etablierung des Vereins maßgeblich mitgeholfen. Propst i. R. Dr. Matthias Sens ist mittlerweile stellvertretender Vorsitzender und eine der treibenden Kräfte des Vereins. Der Gemeindekirchenratsvorsitzende der Altstadtgemeinde Manfred Hinz unterstützt begeistert die Pläne des Kuratoriums, die Ulrichskirche als Citykirche zu nutzen. Der Präses des Magdeburger Kreiskirchenrates, Gerhard Stephen Stehli, ist Vereinsmitglied und mit ihm viele gläubige und engagierte Magdeburger und Bürger anderer Städte und Gemeinden. Das Kuratorium wächst beständig.Bei der Vorstellung des Vorhabens im Kreiskirchenrat sahen die Ratsmitglieder im Wiederaufbau der Ulrichskirche eine einzigartige Chance, in das Stadtzentrum zurückzukehren und sich den Magdeburgern und ihren Gästen in einer für alle offenen Citykirche zu präsentieren. Durch die Sprengung bzw. den Abriss von insgesamt acht Kirchenbauten in Magdeburg zwischen 1951 und 1966 wurde die evangelische Kirche an den Rand des Stadtzentrums gedrängt. Das Kuratorium steht mit dem Kreiskirchenrat in engem Kontakt, um das Kirchengebäude mit modernen, den heutigen Zeiten entsprechenden Inhalten zu füllen. Das Kuratorium empfindet es als ein äußerst spannendes und für Magdeburg sehr förderliches Unterfangen, Visionen einer modernen Kirche auf historischen Wurzeln mit den Überlegungen zu einem Dokumentationszentrum des Protestantismus samt Ausstellungsareal für die bedeutenden Magdeburger Centurien zu entwickeln. Hierbei kann das gesamte Areal Ulrichplatz zu einem interessanten Denkmal für die Zerstörung der Stadt Magdeburg und damit für die Unsinnigkeit von Krieg und die Gefährlichkeit jeder Diktatur gestaltet werden. Eine Vernachlässigung bestehender Kirchenbauten befürchtet die evangelische Kirche in Magdeburg nicht. Die so genannte „Baulast“ wurde zu Zeiten Walter Ulbrichts ja um insgesamt acht Kirchenbauten reduziert (siehe auch www.kirchensprengung.de). Zudem soll eine kirchliche Stiftung Träger der Ulrichskirche werden. Diese würde auch zur Erwirtschaftung des weiteren Unterhalts verpflichtet. Am Nutzungskonzept wird weiter fleißig gearbeitet. Dies braucht Zeit, die wir auch die Skeptiker bitten zu geben. Wir haben alle Bürger von Anfang an dazu eingeladen, sich an der Erstellung zu beteiligen.

Ulrichskirche in der Mitte der Stadt neben Ulrichsbrunnen und Restaurant Alex 

Frage Nr. 3: Fallen durch den Wiederaufbau der Ulrichskirche nicht das Grün und der Springbrunnen weg?

Der Ulrichplatz misst in der Fläche ca. 8.000 Quadratmeter. Die Grundfläche der Ulrichskirche beträgt 1.800 Quadratmeter. Mit Zugangswegen würden somit ca. 25 Prozent des Platzes benötigt. Damit stehen weiterhin 6.000 Quadratmeter - also drei Viertel der Platzgröße - für eine Grünflächengestaltung zur Verfügung. Die Springbrunnenanlage bliebe unverändert. Es entsteht nach Wiederaufbau eine städtebauliche Situation, die großstädtischer ist. Dies bestätigen die Magdeburger Städteplaner und verschiedene Bauexperten. Das Modell zeigt die zukünftige Raumsituation bei unveränderter Anlage der Grünfläche.Reizvoll findet das Kuratorium die Überlegung, die Platzgestaltung mit dem Wiederaufbau der Ulrichskirche neu zu überdenken und z. B. durch die Neuanlage der Grünflächen und die Integration von Ausstellungsmodulen einen Teil des im Krieg zerstörten Kerns der Magdeburger Innenstadt beim Flanieren erlebbar zu machen. So kann der Ulrichplatz noch viel stärker als bisher in die Freizeit- und (Er-)Lebenswelt der Magdeburger einbezogen werden.

Ulrichskirche, Brunnen und Restaurant Alex passen zueinander

Frage Nr. 4: Passt die gotische Kirche in das veränderte, städtebauliche Umfeld?

In einem Deutschland, das in Krieg und Nachkriegszeit seiner homogenen Städtebilder beraubt wurde, gilt heute ein architektonischer Pluralismus. Hier haben auch Rekonstruktionen ihren festen Platz (Dresden, Braunschweig, Leipzig, Potsdam, Berlin).

Die Ulrichskirche ist die einzige von acht gesprengten und abgerissenen Kirchen in Magdeburg, deren Fundamente nicht überbaut wurden. Sie gehörte neben Dom, Kloster, Sebastianskirche und Johanniskirche zur Keimzelle der Stadt Magdeburg. Ihr Fehlen in der Silhouette ist von allen Blickachsen leicht zu erkennen. Bereits 1951 hatte man von kirchlicher Seite die Absicht, die Ulrichskirche mit einem Dach zu sichern. Das nationale Aufbauprogramm wurde im Mai 1953 begonnen. Im März 1956 war die Nordfront der Wilhelm-Pieck-Allee vollendet. Diese wurde ganz bewußt bogenförmig um die Kirche herumgeführt. Es existierte ein städtebaulicher Wettbewerb von 1949, dessen Beiträge die Ulrichskirche alle mit einbezogen. Man war erst 1956 politisch und ideologisch in der Lage, die Kirche zu sprengen. Lt. Archiv tat man dies, weil man sonst nicht mit der südlichen Platzwand hätte beginnen können. Eine Sprengung wäre dann nicht mehr möglich gewesen, nur ein kostenintensiverer Abriss. Selbst die Architekten der 50iger und 60iger Jahre sahen dann als Ersatz für die gesprengte Ulrichskirche einen Turmbau zwischen Elbe und Bahnhof vor, um die durch die Sprengung entstandene, optische Lücke wieder zu schließen. Der Wiederaufbau der Ulrichskirche greift damit die alte Idee der Stadtplaner und Architekten wieder auf, die Ulrichskirche und die Nachkriegsbebauung miteinander zu kombinieren. Es wird der städtebauliche Status quo vom März 1956 wiederhergestellt. Die beiden Turmhäuser der Nachkriegsbebauung an der Kreuzung zur Otto-von-Guericke-Straße flankieren die beiden Doppeltürme der wieder aufgebauten Ulrichskirche harmonisch und schaffen eine Torsituation zur Altstadt. Die Maße der „Stalinbauten“ rekapitulieren in erstaunlicher Weise prägende Maße der Ulrichskirche. Die Traufhöhen der Punkthochhäuser an der Otto-von-Guericke-Straße entsprechen der Höhe des Turmblocks der Ulrichskirche. Lediglich die frei stehenden, oktogonalen Turmgeschosse, die bis auf 76 m aufsteigen, überhöhen diese Bauwerke. Es entsteht damit ein überaus gleichmäßig proportionierter Dreiklang der Baukörper. Die Platzwände umfassen damit einen Raum, in dessen Mitte die Ulrichskirche steht. Die Kirche wird sich farblich in hellem Ocker in die Platzanlage sehr gut einfügen. Der wiederherzustellende Zustand von 1955/56 ist auf den folgenden Bildern dokumentiert. Im Gegensatz zur gesprengten Ulrichskirche wird die wiederaufgebaute Kirche in hellen Farben strahlen. Ein Industrieunternehmen aus Magdeburg hat dem Kuratorium mitgeteilt, dass die mit moderner Nanotechnologie behandelte Fassade von der Luftverschmutzung nicht mehr angegriffen werden kann.

 

 
Ulrichskirche und neoklassizistische Neubebauung des Ulrichplatzes 1955

Ulrichskirche und neoklassizistische Neubebauung des Ulrichplatzes 1955



Ulrichskirche und neoklassizistische Neubebauung des Ulrichplatzes 1956

Frage Nr. 5: Respektieren Sie die Wiederaufbauleistung vorausgegangener Generationen in Magdeburg?

Das Kuratorium respektiert die Aufbauleistungen der letzten beiden Generationen, verurteilt aber energisch die Sprengung und den Abriss von acht Kirchenbauten durch die Verantwortlichen der SED in Magdeburg und Ostberlin. Dass die Schaffung von Wohnraum und Infrastruktur in Zeiten der Entbehrung Vorrang hatte, ist selbstverständlich. Dies rechtfertigt jedoch nicht die vorsätzliche Vernichtung von deutschem Kulturgut. Die Ulrichskirche wurde auf Grund Ihren Verdienste um die Verbreitung reformatorischen Gedankenguts und die hier verankerte Entstehung der „Magdeburger Centurien“ als „Unseres Herrgotts Kanzlei“ bezeichnet (siehe auch www.unseres-herrgotts-kanzlei.de). Von hier aus eroberte der evangelische Glaube die deutschen und europäischen Lande. Im Übrigen hätten laut Angabe des damaligen Kirchenbaumeisters Otto die Kosten für die Sprengung und den Abbruch der Ulrichskirche ausgereicht, die Kirche in ihrem originalen Zustand wieder herzustellen. Nur eine Neueinwölbung der Schiffe und ein Dach wären erforderlich gewesen.

 
Frage Nr. 6: Wäre der wiederaufgebaute Kirchenbau nicht nur ein Plagiat, eine Kopie?

Entscheidend für die Rekonstruierbarkeit eines Gebäudes ist nach Meinung führender Architekten der geistige Entwurf und dieser ist exakt dokumentiert. Die Ulrichskirche ist die am besten dokumentierte zerstörte Kirche Magdeburgs. Zum einen ist das Archiv der Ulrichskirche fast vollständig erhalten, so dass alle Baumaßnahmen vor dem Krieg dokumentiert sind. Zum anderen wurde die Kirche 1952 exakt vermessen. Die Pläne und Unterlagen liegen im Stadtarchiv und im Kirchenarchiv. Für die Wiedererrichtung kann sogar sehr umfangreiches, originales Baumaterial benutzt werden, welches in Teilen auch seinem Ursprungsort (z. B. Fenster, Portale, Friese) zugeordnet werden kann. In Dresden wurde dieses Verfahren bereits erfolgreich angewandt. Der Kopiebegriff ist daher unzutreffend.

Das Kuratorium erwägt, den Außenbau als originalgetreue Rekonstruktion anzugehen, die Architekten aber für die Innen- und eventuell auch die Dachgestaltung nach passenden modernen und funktionellen, vom Nutzungskonzept bestimmten Vorgaben planen zu lassen.


Frage Nr. 7: Muss sich die Stadt Magdeburg am Wiederaufbau und Unterhalt beteiligen?

Das Kuratorium finanziert den Wiederaufbau aus Spenden- und Fördermitteln, wie es bei den vielen Vorbildern in Deutschland üblich ist bzw. war. Die Dresdner Frauenkirche kostete ca. 180 Millionen Euro und wurde etwa zur Hälfte mit Fördermitteln erbaut. Das Berliner Stadtschloss wird ca. 85 Prozent der Investitionssumme von 552 Millionen Euro aus Fördermitteln erhalten. Das Kuratorium glaubt fest daran, dass ein Bauwerk, welches ein bedeutendes Kulturgut der deutschen und europäischen Geschichte darstellt, ebenfalls Fördermittel zugesprochen bekommt. Bei errechneten Baukosten von ca. 30 Millionen Euro sind wir optimistisch, dass unsere Anträge befürwortet werden. Städtische Mittel werden für die Ulrichskirche nicht benötigt. Träger der Kirche soll eine kirchliche Stiftung werden, die auch den weiteren Unterhalt erwirtschaftet. Unterhaltskonzepte, die sich rechnen, werden bereits erarbeitet. Natürlich wird der angedachte museale Teilbetrieb Eintrittsgelder erwirtschaften. Der als Citykirchenbereich genutzt Chor- und Kryptabereich soll aber als offene Stadtkirche frei zugänglich bleiben. Betriebswirtschaftlich interessant ist die Unterhaltung über Urnenaufstellungen, so wie es in vielen Kirchen im Ruhrgebiet derzeit geschieht. Pro Urne sind zwischen 2500 € und 5000 € bei Ruhezeiten von 20 bis 25 Jahren zu erwarten. Bei entsprechender Gestaltung ließe sich eine große Zahl von Urnen in der Ulrichskirche (z.B. Kellergeschoß) aufstellen. Am sinnvollsten scheint es jedoch, den Unterhalt der Kirche unabhängig von der Nutzung des Gebäudes zu sichern. Die Nutzung erneuerbarer Energien wird deshalb ernsthaft diskutiert.

Die Stadt Magdeburg wird vom Wiederaufbau der Magdeburger Ulrichskirche in vielerlei Hinsicht profitieren. Die Kirche St. Ulrich und Levin, die den Anfang unserer deutschen Geschichte mit symbolisiert und als Unseres Herrgotts Kanzlei wichtige Reformationsstätte und Wurzel der Protestantischen Weltbewegung ist, wird viele Touristen nach Magdeburg locken und damit einen für Magdeburg sehr wichtigen Wirtschaftszweig, den Tourismus, zusätzlich stärken. Für die Stadt und die Bürger wird die wieder aufgebaute Ulrichskirche ein Gewinn sein. Die Dresdner Frauenkirche hat bereits heute das dreifache ihrer Investitionskosten von 180 Millionen Euro eingespielt, Magdeburg kann hier mit der Ulrichskirche anknüpfen.

 
 
 
Spenden Sie!Link zu www.kirchensprengung.de Link zu www.unseres-herrgotts-kanzlei.de Link zu www.ottostadt.de
 
Zitat des Monats

Ich war noch Kind, als ich an der Hand meiner Großmutter in der Menge der Leute stand, die mit Tränen in den Augen Abschied nahmen von Ihrer Kirche. "Warum weinen die Leute?", fragte ich. "Weil die Kirche morgen weg ist", flüsterte meine Oma unter Tränen. Da war mir auch zum Weinen.
(Hella Hollerbuhl, Magdeburg am 22.10.16)

 
 
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